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Beziehung

6 Min. Lesezeit

Phasen einer Affäre: was an den Modellen dran ist

Vier, fünf oder sieben Phasen? Woher die Modelle kommen, was sich am Verlauf einer Affäre wirklich beschreiben lässt und was das für Sie bedeutet.

Im Netz kursieren Modelle mit vier, fünf oder sieben Phasen einer Affäre. Sie stammen überwiegend aus Ratgeberliteratur und aus der Beratungspraxis, nicht aus der Forschung, und die unterschiedlichen Zahlen sind der beste Hinweis darauf: Wenn es eine feste Abfolge gäbe, hätten alle dieselbe Anzahl. Beschreiben lässt sich trotzdem einiges, nur eben als wiederkehrende Elemente und nicht als Stufenplan.

Kurz gefasst

Es gibt keine belegte Phaseneinteilung für Affären. Was es gibt, sind Beschreibungen aus der Praxis, die sich in Teilen decken.

Wiederkehrend sind: eine Annäherung, die meistens nicht als Anfang einer Affäre erlebt wird, eine Phase der Heimlichkeit mit hohem Aufwand, ein Doppelleben mit wachsendem Druck, und ein Ende, das entweder durch Entdeckung, durch Beenden oder durch Auslaufen kommt.

Was daraus nicht folgt: dass eine bestimmte Affäre diese Reihenfolge einhält, dass sich aus der aktuellen Lage der weitere Verlauf ablesen lässt, oder dass es einen Zeitpunkt gibt, an dem etwas zwangsläufig passiert.

Warum die Zahlen so unterschiedlich sind

Ein Modell mit sieben Phasen ist nicht genauer als eines mit vier. Es teilt dieselben Beobachtungen nur feiner ein.

Diese Modelle entstehen, indem jemand aus vielen Gesprächen ein Muster herausarbeitet und es in Abschnitte gliedert. Das ist ein legitimes Vorgehen, und es kann beim Verstehen helfen. Es ist aber etwas anderes als eine Untersuchung, in der Verläufe systematisch erfasst und überprüft werden.

Für die Aufarbeitung nach einer Affäre gibt es solche Untersuchungen inzwischen. Eine davon hat 16 Paare befragt, die zusammengeblieben sind, und beschreibt vier Abschnitte des Weges danach (Fife und Kollegen, 2023). Für den Verlauf der Affäre selbst ist mir keine vergleichbare Arbeit bekannt. Wer Ihnen eine Phaseneinteilung mit dem Anspruch wissenschaftlicher Gültigkeit präsentiert, geht über das hinaus, was bekannt ist.

Wie verläuft eine Affäre typischerweise?

Einen festen Verlauf gibt es bei Affären nicht, wohl aber Elemente, die in Schilderungen immer wieder vorkommen. Sie treten in verschiedener Reihenfolge auf, manche fehlen ganz.

Die Annäherung wird selten als solche erkannt. Fast niemand beschließt, eine Affäre anzufangen. Es beginnt meistens mit etwas, das sich unverfänglich anfühlt: ein Gespräch, das guttut, eine Vertrautheit, die anderswo fehlt. Genau deshalb greifen Vorsätze hier nicht, denn zum Zeitpunkt der Entscheidung sieht es nicht nach einer Entscheidung aus.

Dann beginnt das Auslassen. Nicht das Lügen, sondern zuerst das Weglassen. Ein Treffen wird nicht erwähnt, ein Name nicht genannt. Dieser Schritt ist der eigentliche Übergang, weil ab hier zwei verschiedene Versionen der Wirklichkeit existieren.

Der Aufwand wächst. Heimlichkeit kostet Aufmerksamkeit: Geschichten müssen zusammenpassen, Geräte kontrolliert, Zeiten erklärt werden. Viele beschreiben rückblickend, dass nicht die Beziehung zur anderen Person das Anstrengendste war, sondern die Verwaltung.

Die Beziehung zu Hause verändert sich in beide Richtungen. Manche Menschen ziehen sich zurück und werden reizbar. Andere werden auffallend aufmerksam. Beides kommt vor, und deshalb taugt keins von beidem als Anzeichen.

Und dann endet es. Durch Entdeckung, durch einen Entschluss oder dadurch, dass es sich auflöst. Welcher Ausgang eintritt, lässt sich vorher nicht ablesen.

Wie lange dauert eine Affäre?

Darauf gibt es keine belastbare Antwort. Die Angaben, die kursieren, beruhen auf Befragungen mit sehr unterschiedlichen Definitionen davon, was überhaupt gezählt wird, und die Spannen sind entsprechend groß.

Dazu kommt ein grundsätzliches Problem: Zu einem Verhalten, das verheimlicht wird, gibt es keine verlässlichen Zahlen. Wer darüber Auskunft gibt, hat sich dafür entschieden, und wer das nicht tut, taucht in keiner Statistik auf.

Für Sie ist die Frage ohnehin weniger nützlich, als sie sich anfühlt. Ob etwas drei Monate oder zwei Jahre gedauert hat, sagt wenig darüber, was es bedeutet hat, und nichts darüber, wie es jetzt weitergeht.

Was daraus praktisch folgt

Wenn es keine feste Abfolge gibt, dann steht Ihre Beziehung auch nicht „in Phase 3“. Es gibt keinen Punkt, an dem es sich noch lohnt, und keinen, ab dem es zu spät ist.

Das ist die entlastende Seite daran. Viele Betroffene suchen nach Modellen, weil sie hoffen, daraus ablesen zu können, was als Nächstes kommt. Diese Auskunft gibt es nicht, und das heißt auch: Niemand kann Ihnen sagen, dass es vorbei ist.

Nützlicher als die Frage nach der Phase ist die Frage nach dem Jetzt. Besteht der Kontakt noch? Wird geredet oder abgewehrt? Gibt es eine Richtung? Das sind Dinge, die Sie beobachten können, und sie sagen mehr aus als jedes Stufenmodell.

Die zweite Frage, die hier oft mitgesucht wird

Manche Menschen suchen nach diesen Modellen, weil sie selbst in einer Affäre stecken und wissen wollen, wo sie stehen. Auch dafür gilt: Ein Stufenmodell sagt Ihnen nichts über Ihre Lage.

Was sich aus der Praxis sagen lässt, ist etwas anderes. Der Zustand mit zwei parallelen Wirklichkeiten ist auf Dauer für alle Beteiligten aufreibend, auch für die Person, die ihn aufrechterhält. Er löst sich in der Regel nicht von selbst auf, sondern endet an dem Punkt, an dem der Aufwand nicht mehr geht. Wer darüber nachdenkt, was er eigentlich will, kommt damit meistens weiter als mit der Frage, wie lange so etwas üblicherweise dauert.

Was stattdessen hilft

Wenn Sie hier sind, weil Sie betrogen wurden, ist die nützlichere Frage nicht, wie die Affäre verlief, sondern was jetzt zwischen Ihnen beiden passiert. Dazu gehört, ob der Kontakt beendet ist, ob Verantwortung übernommen wurde und ob Gespräche möglich sind, die nicht eskalieren.

Der Überblick über das ganze Thema steht auf der Seite Affäre in der Beziehung. Wie sich Gespräche nach einer Entdeckung anders anlegen lassen, steht in dem Beitrag darüber, wie ein Paar nach einem Vertrauensbruch wieder ins Gespräch kommt. Und wenn Sie an der Frage des Verzeihens hängen, gehört der Beitrag über Fremdgehen verzeihen dazu.

In der Paartherapie in Frankfurt arbeiten wir an dem, was zwischen Ihnen passiert, nicht an der Rekonstruktion des Ablaufs. Ich entscheide dabei nicht, ob Sie zusammenbleiben.

Wenn Sie gerade nicht mehr können

Schlechter Schlaf, Gedankenkreisen und Erschöpfung sind in den ersten Wochen normale Reaktionen. Wenn es über Wochen nicht nachlässt oder wenn Gedanken auftauchen, dass alles keinen Sinn mehr hat, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei und anonym unter 0800 111 0 111 erreichbar.

Häufige Fragen

Gibt es wirklich sieben Phasen einer Affäre?

Es gibt Modelle, die sieben Abschnitte beschreiben, und andere, die vier oder fünf nennen. Keines davon beruht auf einer systematischen Untersuchung von Verläufen. Sie sind Beschreibungen aus der Beratungspraxis, nützlich zum Verstehen, ungeeignet als Fahrplan.

Was ist der Unterschied zwischen einer Affäre und einem Verhältnis?

Umgangssprachlich meint „Verhältnis“ oft etwas Längeres und Beständigeres, „Affäre“ eher etwas Kürzeres. Eine feste Definition gibt es nicht, und für die betroffene Beziehung macht die Bezeichnung selten einen Unterschied.

Kann man am Verhalten erkennen, in welcher Phase jemand steckt?

Nein. Dieselben Verhaltensweisen kommen bei sehr unterschiedlichen Lagen vor, und sie kommen auch ganz ohne Affäre vor. Verhaltensänderungen sind ein Anlass, nachzufragen, kein Beweis.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

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Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.