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Beziehung

5 Min. Lesezeit

Nach einem Vertrauensbruch wieder ins Gespräch kommen

Eine Anleitung für Gespräche nach einer Affäre: feste Rollen, Zeitgrenze, Abbruchregel und die Frage, welche Details wirklich weiterhelfen können.

Nach einer Affäre laufen Gespräche meistens in eine von zwei Richtungen: Es wird gefragt, bis beide erschöpft sind, oder es wird geschwiegen, bis es wieder hochkommt. Beides ist verständlich, und beides führt nicht weiter. Was hilft, ist ein festes Format: begrenzte Zeit, klare Rollen, eine Abbruchregel.

Kurz gefasst

Die Anleitung unten dauert dreißig Minuten und hat zwei Rollen. Eine Person spricht, die andere hört zu und gibt wieder, ohne sich zu verteidigen. Dann ist Schluss, auch wenn es gerade gut läuft.

Das Ziel ist nicht, alles zu klären. Das Ziel ist, ein Gespräch zu führen, das nicht schlimmer endet, als es angefangen hat. Wer das ein paar Mal schafft, hat die Grundlage für alles Weitere.

Voraussetzung ist, dass der Kontakt zur anderen Person beendet ist. Ohne das wird jedes Gespräch in wenigen Wochen wieder eingeholt.

Wann Sie damit nicht anfangen sollten

Wenn der Kontakt zur anderen Person noch besteht. Dann geht es zuerst darum, und nicht um Gesprächsformen. Mehr dazu steht in dem Beitrag darüber, wenn der Kontakt zur Affäre nicht abbricht.

Wenn es noch ganz frisch ist. In den ersten Tagen nach dem Erfahren sind die meisten Menschen nicht in der Verfassung für ein strukturiertes Gespräch, und das ist normal. Warten Sie, bis Sie wieder einigermaßen schlafen.

Wenn eine Person das Thema für abgeschlossen hält. Ein Format setzt voraus, dass beide es für nötig halten. Wenn nicht, ist das selbst das Thema.

Wenn Gewalt im Spiel ist. Dann geht Schutz vor, und ein klärendes Gespräch kann die Lage gefährlicher machen. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110.

Woher das Vorgehen kommt

Eine Untersuchung mit 16 Paaren, die nach einer sexuellen Untreue zusammengeblieben sind und die Sache nach eigener Einschätzung überwunden haben, beschreibt mehrere wiederkehrende Schritte. Dazu gehören: den Schaden benennen, Verantwortung übernehmen, wieder in Kontakt kommen und offener miteinander sprechen als vorher (Fife und Kollegen, 2023).

Diese Arbeit sagt nichts darüber, wie häufig das gelingt, weil nur Paare befragt wurden, bei denen es gelungen ist. Sie beschreibt den Weg, nicht die Wahrscheinlichkeit.

Die Gesprächshaltung darin entspricht dem, was ich aus der emotionsfokussierten Arbeit mit Paaren kenne: Es geht zuerst darum, dass beide verstehen, was beim anderen passiert, und erst danach darum, was zu tun ist.

Wie reden wir nach einem Vertrauensbruch wieder miteinander?

Nach einem Vertrauensbruch hilft ein festes Format mit klaren Rollen. Eine Person spricht, die andere hört zu und gibt wieder, was sie gehört hat. Nach dreißig Minuten ist Schluss. Die Schritte unten beschreiben, wie so ein Abend abläuft.

Vorbereitung. Legen Sie einen Zeitpunkt fest, an dem Sie beide nicht müde sind und danach nichts vorhaben. Stellen Sie einen Wecker auf dreißig Minuten. Legen Sie die Telefone weg.

Schritt 1: Rollen verteilen, und zwar vorher. Eine Person spricht in dieser Runde, die andere hört zu. Nicht abwechselnd innerhalb des Gesprächs, sondern eine Runde pro Abend. Wer anfängt, entscheidet in der Regel die betrogene Person.

Schritt 2: Wer spricht, spricht über sich. Nicht darüber, was der andere getan hat, sondern darüber, was es mit einem macht.

Statt: „Du hast unsere ganze Ehe zerstört.“ Besser: „Wenn du abends später kommst, bin ich sofort wieder an dem Punkt, an dem ich nicht weiß, was stimmt.“

Schritt 3: Wer zuhört, gibt wieder, bevor er antwortet. Das ist der Teil, an dem die meisten scheitern, und er ist der wirksamste. Die Aufgabe ist nicht zuzustimmen, sondern zu zeigen, dass etwas angekommen ist.

Ein Satz reicht: „Ich habe gehört, dass es für dich jedes Mal wieder losgeht, wenn ich später komme. Habe ich das richtig verstanden?“

Verteidigen, erklären und einordnen sind in dieser Runde nicht vorgesehen. Nicht weil Ihre Sicht nicht zählt, sondern weil sie in derselben Runde alles überlagert.

Schritt 4: Eine Frage pro Abend, und vorher überlegt. Die betrogene Person darf eine Frage stellen. Eine.

Prüfen Sie vorher, zu welcher Sorte die Frage gehört. Manche Fragen stellen Verlässlichkeit her: Wer wusste davon? Gab es Situationen, in denen ich dabei war? Ist noch etwas offen, das ich nicht weiß? Andere Fragen erzeugen Bilder, die sich nicht mehr löschen lassen: Wo genau, wie oft, war es schöner.

Beide Sorten sind verständlich. Nur die erste hilft weiter.

Schritt 5: Nach dreißig Minuten ist Schluss. Auch wenn es gerade gut läuft, und besonders dann. Ein Gespräch, das gut endet, macht das nächste wahrscheinlicher. Ein Gespräch, das ausufert, kippt fast immer.

Die Abbruchregel

Legen Sie vorher ein Wort fest, mit dem jede:r von Ihnen unterbrechen kann. Wer unterbricht, nennt eine Zeit und kommt dann zurück, zum Beispiel: „Ich brauche zwanzig Minuten, dann rede ich weiter.“

Eine Pause ohne Rückkehr ist ein Abbruch, und danach wird die nächste Pause misstrauisch beäugt. Das ist der häufigste Weg, auf dem dieses Format kaputtgeht.

Was bringt ein Gespräch nach einer Affäre?

Ein einzelnes Gespräch klärt nach einer Affäre selten etwas, eine Reihe von Gesprächen kann dagegen etwas verändern. Realistisch ist, dass die Abstände zwischen den schlechten Tagen länger werden und dass irgendwann ein Gespräch endet, ohne dass jemand die Tür zuschlägt. Das klingt bescheiden und ist in dieser Lage viel.

Nicht realistisch ist, dass die Fragen aufhören. Sie kommen wieder, oft über Monate, und das ist kein Rückfall.

Wenn es damit nicht geht

Es gibt Punkte, an denen dieses Format nicht trägt. Wenn jedes Gespräch trotz Struktur eskaliert. Wenn die Person, die die Affäre hatte, nicht aushält, was sie zu hören bekommt, und regelmäßig abbricht. Wenn die betrogene Person merkt, dass sie nach jedem Gespräch schlechter dran ist.

Dann fehlt nicht Disziplin, sondern eine dritte Person im Raum. In der Paartherapie in Frankfurt führen wir diese Gespräche gemeinsam, und zwar so, dass beide sagen können, was ist, ohne dass es kippt. Das ist der Teil, den man zu zweit am schwersten hinbekommt, weil beide zu beteiligt sind.

Der Überblick über das ganze Thema steht auf der Seite Affäre in der Beziehung.

Wenn Sie gerade nicht mehr weiterwissen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei und anonym unter 0800 111 0 111 erreichbar.

Häufige Fragen

Wie oft sollen wir das machen?

Ein- bis zweimal pro Woche ist für die meisten Paare machbar. Täglich ist zu viel, weil dann der ganze Alltag zum Aufarbeitungsraum wird und beide keine Pause mehr haben.

Was, wenn ich die Antwort nicht aushalte?

Dann brechen Sie ab, mit der vereinbarten Regel. Das ist kein Scheitern, sondern genau der Zweck der Regel. Überlegen Sie danach in Ruhe, ob Sie die Frage wirklich beantwortet haben wollten.

Dürfen wir auch über etwas anderes reden?

Unbedingt, und das ist wichtiger, als es klingt. Wenn die Beziehung nur noch aus Aufarbeitung besteht, bleibt nichts übrig, wofür sich die Mühe lohnt. Planen Sie bewusst Zeit ein, in der das Thema nicht vorkommt.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

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Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.