Bei einer Trennung mit Kindern endet die Beziehung als Paar, die gemeinsame Verantwortung als Eltern bleibt. Die meisten Kinder getrennter Eltern entwickeln keine erkennbaren psychischen Probleme, auch wenn viele die Trennung als schmerzhaft erleben. Wie es ihnen danach geht, hängt auch damit zusammen, wie die Eltern miteinander umgehen. Diese Seite ordnet ein, was die Forschung dazu weiß und wer bei welcher Frage hilft.
Kurz gefasst
Die meisten Kinder, deren Eltern sich trennen, entwickeln keine erkennbaren psychischen Probleme. Schmerzhaft ist die Trennung für viele trotzdem.
Im Mittel haben Kinder getrennter Eltern ein höheres Risiko für Belastungen. Ein Teil davon hängt damit zusammen, wie die Eltern danach erziehen und miteinander streiten.
Für Kinder zählt auch, wie gestritten wird. Feindseligkeit, Rückzug und Streit um das Kind selbst hängen alle mit Belastungen zusammen.
Ein Alter, in dem Kinder eine Trennung am besten verkraften, gibt die Forschung nicht her. Jüngere und ältere Kinder reagieren verschieden.
Die Elterninformation des Deutschen Jugendinstituts rät zu einer ehrlichen Erklärung in Worten, die zum Alter passen, und zu dem klaren Satz, dass das Kind nicht schuld ist.
Eltern haben in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Beratung, auch bei Trennung und Scheidung.
Wenn in der Familie Gewalt vorkommt, geht Schutz vor allem anderen.
Was die Forschung über Kinder getrennter Eltern weiß
Viele Eltern beschäftigen an diesem Punkt ähnliche Fragen: „Was macht das mit den Kindern?“ „Sind wir schuld, wenn es ihnen später schlecht geht?“ „Hätten wir warten sollen, bis sie größer sind?“ Das sind typische Gedanken, keine Zitate.
Eine Übersicht in der Fachzeitschrift World Psychiatry hat den Forschungsstand 2019 zusammengefasst. Kinder getrennter Eltern haben danach im Mittel ein höheres Risiko für Probleme in der Schule, für Verhaltensauffälligkeiten und für gedrückte Stimmung. Die meisten von ihnen sind aber widerstandsfähig und zeigen keine erkennbaren psychischen Probleme (D'Onofrio und Emery, 2019). Mit dem höheren Risiko hängen nach den beiden Autoren vor allem weniger wirksame Erziehung, Streit zwischen den Eltern, Geldsorgen und wenig Kontakt zu einem Elternteil zusammen.
Widerstandsfähig heißt nicht, dass es nicht wehtut. Auch Kinder, denen es gut geht, tragen oft schmerzhafte Erinnerungen an die Trennung mit sich. Joan Kelly und Robert Emery unterscheiden diesen Schmerz in einer Übersichtsarbeit von einer psychischen Erkrankung (Kelly und Emery, 2003).
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 hat 115 Stichproben mit zusammen 24.854 getrennten Familien ausgewertet. Streit zwischen den Eltern, Erziehung und das Befinden der Kinder hingen dort zusammen, meist in kleinem Ausmaß. Ein Teil des Zusammenhangs zwischen Elternstreit und den Problemen der Kinder lief über die Erziehung. Dazu gehörte unter anderem, wie viel Zuwendung und Struktur Kinder bekamen und wie feindselig Eltern ihnen begegneten (van Dijk und Kollegen, 2020).
Auch wie es den Eltern selbst geht, spielt mit. Stress, Angst und Niedergeschlagenheit nach einer Trennung können es Eltern schwerer machen, im Alltag gut für ihre Kinder zu sorgen. So beschreibt es eine Übersichtsarbeit der Psychologin Jennifer Lansford (Lansford, 2009). Was beim eigenen Schmerz helfen kann, steht im Beitrag darüber, wie sich Trennungsschmerz überwinden lässt.
Eine Trennung ist für Kinder also kein folgenloses Ereignis, und die meisten sind trotzdem widerstandsfähig. Ein Teil dessen, was danach passiert, liegt in der Hand der Eltern.
Trennung mit Kindern: was tun?
Was bei einer Trennung mit Kindern zuerst zu tun ist, hängt davon ab, was gerade am dringendsten ist. Wenn es möglich ist, sprechen Sie sich als Eltern ab, bevor Sie es den Kindern sagen: wer wo wohnt, wie die nächsten Wochen aussehen und was gleich bleibt. Das Familienportal des Bundes rät Eltern, möglichst einvernehmliche Vereinbarungen zugunsten des Kindes zu treffen (Familienportal).
Bei einer Scheidung mit Kindern klärt eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht, was rechtlich zu regeln ist, etwa Sorgerecht, Umgang und Unterhalt. Diese Fragen beantwortet dieser Text nicht. Welche Stelle wofür zuständig ist, steht im Überblick Wer hilft bei einer Trennung?
Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt, körperlich oder seelisch, dann ist Paartherapie nicht der richtige Weg. Zuerst geht es um Ihre Sicherheit und die Ihrer Kinder. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Für Männer gibt es das Hilfetelefon Gewalt an Männern, montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr wählen Sie die 110.
Wie erkläre ich meinem Kind die Trennung?
Am besten sagen Sie es Ihrem Kind gemeinsam, in Ruhe und mit Worten, die zu seinem Alter passen. Das empfiehlt STARK, ein Informationsangebot des Deutschen Jugendinstituts, gefördert vom Bundesfamilienministerium (STARK, Kinder über die Trennung informieren). Ihr Kind sollte dabei hören, dass es nicht schuld ist, was sich für es ändert und was gleich bleibt.
Von Notlügen rät STARK ab, ebenso von Versprechen, die sich nicht halten lassen, etwa „Es bleibt alles beim Alten.“ Wenn ein gemeinsames Gespräch gerade im Streit enden würde, ist es nach STARK besser, einzeln mit den Kindern zu sprechen.
In welchem Alter verkraften Kinder eine Trennung am besten?
Ein Alter, in dem Kinder eine Trennung am besten verkraften, gibt die Forschung nicht her. Leicht ist eine Trennung in keinem Alter. Mit dem Alter ändert sich, wie Kinder reagieren und was ihnen schwerfällt. Beeinflussen lassen sich dagegen die Umstände: wie ehrlich Kinder erfahren, was passiert, wie die Eltern miteinander umgehen und wie verlässlich der Alltag bleibt.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2009 beschreibt die Befunde zum Zeitpunkt der Trennung als uneinheitlich (Lansford, 2009). Die Übersicht nennt mögliche Gründe für Unterschiede: Jüngere Kinder können Gründe und Folgen schwerer einordnen, eher fürchten, verlassen zu werden, und sich eher selbst die Schuld geben. Für Verhaltensprobleme gibt es Hinweise auf ein höheres Risiko bei jüngeren Kindern. Bei Jugendlichen zeigten sich Folgen eher in der Schule und in den ersten eigenen Liebesbeziehungen.
Manche Eltern überlegen deshalb, mit der Trennung zu warten, bis die Kinder größer sind. Ob das für Ihre Familie richtig ist, kann keine Studie beantworten. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 fasst zusammen, dass Streit zwischen Eltern Kinder belasten kann, ob die Eltern zusammenleben oder getrennt sind (Harold und Sellers, 2018). Ob und wann Sie sich trennen, ist eine eigene Frage. Um sie geht es im Beitrag Trennen oder bleiben?
Was macht eine Trennung mit Kindern?
Eine Trennung verändert für Kinder vieles auf einmal, und viele reagieren darauf mit Traurigkeit, Wut oder Sorgen. Wie sich das zeigt, ist von Kind zu Kind verschieden und hängt auch vom Alter ab. Schmerz über die Trennung ist dabei nicht dasselbe wie eine psychische Erkrankung, darauf weisen Kelly und Emery in ihrer Übersicht hin.
Genauer hinzusehen lohnt sich, wenn sich ein Kind über längere Zeit deutlich verändert und der Alltag darunter leidet. Das kann sich beim Schlaf zeigen oder in der Schule. Ansprechpartner sind dann die Kinderarztpraxis und eine Erziehungsberatungsstelle. Erziehungsberatungsstellen sollen nach dem Gesetz Kinder, Jugendliche und Eltern auch bei Trennung und Scheidung unterstützen (§ 28 SGB VIII).
Die Trennung aus Sicht des Kindes
Kinder erleben eine Trennung auch über das, was zwischen ihren Eltern passiert. Eine Metaanalyse über 169 Studien aus dem Jahr 2020 fand, dass feindseliger Streit zwischen Eltern mit Belastungen der Kinder zusammenhängt. Ähnliches galt für Rückzug, für Konflikte, die nicht konstruktiv ausgetragen werden, und für Streit, der sich um das Kind selbst dreht (van Eldik und Kollegen, 2020).
Schwierig wird es für Kinder, wenn sie in die Angelegenheiten der Eltern hineingezogen werden. Manche übernehmen dann eine Elternrolle, etwa als Vertraute für die Sorgen von Mutter oder Vater. In der Metaanalyse zu getrennten Familien von 2020 galt diese Vermischung der Rollen als besonderes Risiko, wenn die Eltern miteinander im Streit liegen.
Kinder und Jugendliche können sich auch selbst Hilfe holen. Die Nummer gegen Kummer erreichen sie unter 116 111, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr, kostenfrei und anonym.
Wann Beratung bei einer Trennung mit Kindern hilft
Vieles davon lässt sich als Eltern allein klären. Wenn aber jedes Gespräch über die Kinder wieder im alten Streit als Paar endet, kann eine dritte Person helfen, beides auseinanderzuhalten. Strukturierte Angebote, die Eltern nach einer Trennung unterstützen und informieren, haben in Studien psychische Probleme der Kinder verringert, so die Übersicht von D'Onofrio und Emery. In Deutschland nennt das Familienportal dafür zum Beispiel Elternkurse wie „Kinder im Blick“.
In der Beratung bei Trennung mit Kindern arbeite ich mit Ihnen als Eltern. Wir arbeiten daran, Ihre Gespräche wieder auf eine respektvolle Ebene zu bringen, und versuchen, die Sicht des anderen zu verstehen. So können Sie Entscheidungen, die Ihre Kinder betreffen, bewusster treffen. Sie können allein kommen oder zu zweit.
Ich stelle keine Diagnose. Ich entscheide nicht, ob Sie zusammenbleiben. Ich gebe keiner Seite recht.
Weitere Anlaufstellen für Eltern und Kinder
Hilfe bei einer Trennung mit Kindern gibt es an mehreren Stellen, und sie schließen sich nicht aus. Mütter und Väter haben in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Beratung, auch bei Trennung und Scheidung (§ 17 SGB VIII). Angeboten wird sie vom Jugendamt und von Beratungsstellen freier Träger. Wer lieber schreibt, findet bei der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung Beratung per Mail oder Chat, auch ohne den eigenen Namen zu nennen.
Für Eltern gibt es das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550. Es ist montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr erreichbar, dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr.
Wenn Ihnen selbst alles zu viel wird: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr wählen Sie die 112.
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Häufige Fragen
Was tun, wenn wir uns als Eltern nach der Trennung nicht einigen können?
Dann kann eine Stelle helfen, die zwischen Ihnen vermittelt. Das Jugendamt berät Eltern bei Trennung und Scheidung und unterstützt sie dabei, eine gemeinsame Lösung für die Kinder zu finden. Auch Erziehungsberatungsstellen beraten in diesen Fragen. Geht es um rechtlich verbindliche Regelungen zu Sorgerecht, Umgang oder Unterhalt, ist eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht zuständig.
Dürfen Kinder merken, dass ihre Eltern traurig sind?
Ja, und oft spüren sie es von selbst. STARK, das Informationsangebot des Deutschen Jugendinstituts, rät Eltern, die Lage nicht schönzureden, weil Kinder einen Unterschied zwischen Worten und Gefühlen häufig bemerken. Ein kurzer, ehrlicher Satz kann reichen, etwa: „Ich bin gerade traurig. Das hat nichts mit dir zu tun, und du musst dich nicht darum kümmern.“ Die Sorgen der Eltern zu tragen, ist nicht die Aufgabe des Kindes.
Wo finden Eltern Beratung bei einer Trennung mit Kindern?
Eltern haben in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Beratung bei Trennung und Scheidung. Sie finden sie beim Jugendamt, bei Erziehungsberatungsstellen und anderen Beratungsstellen freier Träger. Online berät die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung per Mail oder Chat. Wenn es vor allem darum geht, wie Sie beide als Eltern wieder miteinander reden können, ist auch eine psychologische Trennungsberatung ein möglicher Weg.

Erkennen Sie sich wieder?
Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.

