Die Phasen der Trennung, wie sie in vielen Ratgebern stehen, beantworten vor allem eine Frage: Wann hört das auf? Eine feste Abfolge mit festen Zeiten gibt es nicht. Studien, die Menschen über Jahre begleitet haben, finden mehrere Verläufe, die nebeneinander vorkommen. Das hat eine entlastende Seite: Wer anders trauert, als ein Modell es vorsieht, macht nichts falsch.
Kurz gefasst
Die bekannten Phasenmodelle stammen aus der Begleitung Sterbender und der Trauer um Verstorbene, nicht aus Studien über Trennungen.
Ob von vier, fünf oder sieben Phasen die Rede ist, hängt davon ab, welches Modell gerade zitiert wird.
Eine feste Reihenfolge ist nicht belegt. Fachleute für Trauerforschung warnen davor, die Stufen als Vorgabe zu verstehen.
Langzeitstudien finden mehrere typische Verläufe nebeneinander. Bei vielen bleibt die Belastung begrenzt, bei einem Teil hält sie lange an.
Traurigkeit, Wut und Sehnsucht kommen oft gleichzeitig und lassen nicht im Gleichschritt nach.
Ob jemand die Trennung selbst angestoßen hat, macht für den Verlauf einen großen Unterschied.
Ein eigenes Phasenmodell für Frauen ist in der Forschung nicht beschrieben. Unterschiede zeigen sich vor allem beim Geld und im Alltag danach.
Welche Phasen der Trennung gibt es?
Die meisten Beschreibungen der Phasen der Trennung gehen auf zwei Modelle zurück, die ursprünglich für das Sterben und die Trauer um Verstorbene beschrieben wurden. Im deutschsprachigen Raum verbreitet ist das Modell der Psychologin Verena Kast mit vier Phasen. International bekannt sind die fünf Stufen nach Elisabeth Kübler-Ross. Daneben gibt es Fassungen mit drei oder sieben Stufen.
Die vier Phasen nach Kast heißen Nicht-wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen, Suchen und Sich-Trennen sowie neuer Selbst- und Weltbezug. Das österreichische Gesundheitsportal beschreibt sie für die Trauer um einen verstorbenen Menschen. Es betont, dass die Phasen keine zwingende Ablauffolge sind und sich wiederholen können (Gesundheitsportal Österreich, Trauerphasen).
Die fünf Stufen nach Kübler-Ross heißen Leugnen, Wut, Verhandeln, Niedergeschlagenheit und Annahme. Auf eine Trennung übertragen, liest sich das etwa so: erst „Das kann nicht sein.“, dann Wut auf die andere Person oder auf sich selbst, dann „Vielleicht lässt es sich doch noch retten.“, dann Traurigkeit, am Ende ein Frieden mit dem, was ist.
Wer nach Stufen der Trennung oder nach Phasen der Trennungsbewältigung sucht, findet meist Abwandlungen dieser beiden Modelle. Auch die Phasen der Trauer nach einer Trennung sind in den meisten Darstellungen dieselben.
Woher die Stufen kommen und was an ihnen belegt ist
Die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross hat die fünf Stufen 1969 in ihrem Buch „On Death and Dying“ beschrieben. Grundlage waren Gespräche mit mehr als zweihundert sterbenden Patient:innen. Um Trennungen ging es darin nicht.
Eine Übersichtsarbeit von drei Trauerforscher:innen aus dem Jahr 2017 kommt zu dem Schluss, dass es für diese Stufen keine solide wissenschaftliche Grundlage gibt (Stroebe, Schut und Boerner, 2017). Die Autor:innen beschreiben auch, was in der Praxis daraus wird. Viele lesen die Stufen als Vorgabe, obwohl sie als Beschreibung gemeint waren. Fachleute berichten von Klient:innen, die sich Sorgen machten, weil sie die Stufen nicht „in der richtigen Reihenfolge“ erlebten. Diese Erwartung kann nach Einschätzung der Autor:innen schaden.
Brauchbar bleiben die Modelle als Sammlung dessen, was nach einem Verlust vorkommen kann. Manche Menschen finden sich darin wieder und erleben das als Bestätigung, wie die Übersichtsarbeit ebenfalls festhält. Ablesen, wo man gerade steht und was als Nächstes kommt, lässt sich daraus nicht.
Was Langzeitstudien an Stelle von Phasen zeigen
Studien, die Menschen vor und nach einer Trennung wiederholt befragt haben, finden mehrere typische Verläufe nebeneinander. Eine Auswertung aus den USA hat 559 Menschen begleitet, die sich scheiden ließen, und ihre depressiven Beschwerden vor und nach der Scheidung verfolgt (Malgaroli, Galatzer-Levy und Bonanno, 2017). Vier Muster tauchten auf. Bei 67 Prozent blieben die Beschwerden über die ganze Zeit niedrig. Bei einer kleineren Gruppe stiegen sie nach der Scheidung an, bei einer anderen waren sie schon vorher hoch und blieben es. Eine weitere Gruppe hatte nach der Scheidung weniger Beschwerden als vorher.
Die Befragten waren im Mittel 57 Jahre alt und wurden nur alle zwei Jahre befragt. Über jüngere Menschen und über die ersten Wochen sagt die Studie deshalb wenig. Sie zeigt aber, dass es den einen Verlauf nicht gibt. Viele kommen mit begrenzter Belastung durch diese Zeit, und bei einem Teil hält sie lange an. Beides ist ernst zu nehmen.
Auch die Gefühle selbst kommen nicht nacheinander. Der Psychologe David Sbarra hat junge Erwachsene nach dem Ende einer festen Beziehung vier Wochen lang täglich nach Sehnsucht, Wut und Traurigkeit gefragt. Die drei Gefühle ließen sich gut unterscheiden, kamen aber nebeneinander vor (Sbarra und Ferrer, 2006). In einer Auswertung mit 58 Teilnehmenden hing es von unterschiedlichen Dingen ab, ob Traurigkeit und ob Wut nachließen. Wer noch viel Liebe oder Wut empfand, bei dem ließ die Traurigkeit im Untersuchungszeitraum seltener nach (Sbarra, 2006).
Wie lange dauern die Phasen der Trennung?
Wie lange die Phasen der Trennung dauern, kann niemand vorhersagen, auch keine Studie. Die Langzeitdaten zeigen große Unterschiede zwischen Menschen, und einen Endpunkt, der für alle gilt, gibt es nicht. Benennen lässt sich aber, was den Verlauf mitprägt. Viel hängt daran, ob jemand die Trennung selbst angestoßen hat oder verlassen wurde.
Ein Ökonom der Universität Maastricht hat dazu Daten des deutschen Beziehungs- und Familienpanels pairfam ausgewertet, einer großen Befragung, die dieselben Menschen jedes Jahr erneut befragt (Brüning, 2022). Bei den Menschen, die die Trennung angestoßen hatten, sank die Lebenszufriedenheit schon in der Zeit davor. Nach der Trennung stieg sie im Mittel wieder. Wer verlassen wurde, erlebte den Einbruch mit der Trennung selbst, und er fiel deutlich stärker aus. Auf längere Sicht kehrten im Mittel auch sie zu ihrem früheren Stand zurück.
Das sind Mittelwerte, keine Vorhersage für einzelne Menschen. Sie erklären aber, warum zwei Menschen nach derselben Trennung oft an ganz verschiedenen Stellen stehen. Wer gegangen ist, hat einen Teil des Abschieds häufig schon vorher erlebt. Für die andere Person beginnt er manchmal erst mit dem Tag der Trennung.
Gibt es typische Trennungsphasen bei Frauen?
Ein eigenes Modell für Trennungsphasen bei Frauen ist in der Forschung nicht beschrieben. Die bekannten Phasenmodelle unterscheiden nicht nach Geschlecht, und bei den Gefühlen zeigen Langzeitdaten mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede. Unterschiede zeigen sich woanders, beim Geld und im Alltag nach der Trennung. Wer nach den Phasen der Trennung bei Frauen sucht, findet die Antwort deshalb eher dort.
Eine Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels hat 18.030 verheiratete Menschen in Deutschland begleitet, von denen sich 1.220 scheiden ließen (Leopold, 2018). Im Jahr der Scheidung sank die Lebenszufriedenheit bei Männern stärker als bei Frauen, in den folgenden Jahren glich sich das an. Bei seelischer Gesundheit, Einsamkeit und Freundschaften unterschieden sich Frauen und Männer mittelfristig kaum. Frauen verloren dagegen deutlich und dauerhaft mehr Haushaltseinkommen, ihr Armutsrisiko stieg, und sie waren häufiger alleinerziehend. Die Daten stammen aus Westdeutschland.
Wenn sich eine Trennung für eine Frau schwerer anfühlt, kann das also an den Umständen liegen, etwa an Geldsorgen oder an der Verantwortung für Kinder, die häufiger allein bei ihr liegt. Das hat mit der richtigen Phase nichts zu tun und ist trotzdem eine echte Belastung. Was eine Trennung für die Kinder bedeutet, steht im Beitrag über Trennung mit Kindern.
Wenn es nicht der Reihe nach geht
Wenn Trennungen keiner festen Reihenfolge folgen, kann auch niemand sie falsch durchlaufen. Wer nach acht Monaten wieder wütend ist, ist nicht zurückgefallen. Wer an einem Tag ruhig ist und am nächsten wieder weint, hat keine Phase verpasst.
Ein Modell aus der Trauerforschung beschreibt dieses Hin und Her ausdrücklich. Margaret Stroebe und Henk Schut sprechen von einem Pendeln zwischen zwei Aufgaben (Stroebe und Schut, 1999). Die eine ist die Zuwendung zum Verlust: traurig sein, sich erinnern, vermissen. Die andere ist die Zuwendung zum veränderten Leben mit seinen neuen Aufgaben und Routinen. Zum Modell gehören auch Pausen von beidem. Entwickelt wurde es für die Trauer nach einem Todesfall, für Trennungen ist es nicht eigens geprüft.
Für die Phasen der Trennung heißt das praktisch zweierlei. Ein Abend, an dem Sie nicht an die Trennung denken, ist nach diesem Modell kein Verdrängen, sondern Teil der Verarbeitung. Und es kann helfen, Gefühle und Umstände auseinanderzuhalten. Wohnung, Geld, Umgang mit den Kindern sind Fragen, für die es zuständige Stellen gibt. Wer den Schmerz selbst angehen möchte, findet ein konkretes Vorgehen im Beitrag Trennungsschmerz überwinden.
Wo dieser Text endet
Trauer, Wut und Grübeln nach einer Trennung sind Reaktionen auf einen Verlust und keine Krankheit. Wenn die Niedergeschlagenheit aber über Wochen nicht nachlässt oder wenn Schlaf und Arbeit kaum noch gehen, ist das ein Grund, mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt zu sprechen. Termine in einer psychotherapeutischen Sprechstunde vermittelt der Terminservice unter 116117.
Wenn Sie gerade nicht weiterwissen und das Gefühl haben, dass Ihnen alles zu viel wird: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr wählen Sie die 112.
Lösen Sie sich aus einer Beziehung, in der es Gewalt gab, geht Ihre Sicherheit vor allem anderen. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Für Männer gibt es das Hilfetelefon Gewalt an Männern, montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr: 110.
Für alles Rechtliche, also Unterhalt, Sorgerecht und Scheidung, ist eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht zuständig. Welche Stelle wofür da ist, steht im Überblick Wer hilft bei einer Trennung?.
Wann eine Einzelbegleitung helfen kann
Wenn Sie merken, dass Sie an einer vergangenen Beziehung festhängen, kann ein Gespräch mit einer dritten Person helfen, sie aufzuarbeiten. In der Einzelbegleitung in Frankfurt arbeite ich mit Ihnen allein, in der Praxis oder online. Wir schauen uns an, was in der Beziehung passiert ist, welche Muster Sie darin wiedererkennen und was Sie heute brauchen. Ich stelle keine Diagnose.
Häufige Fragen
Wie viele Phasen hat eine Trennung?
Das hängt vom Modell ab. Verena Kast beschreibt vier Phasen, Elisabeth Kübler-Ross fünf Stufen, andere Fassungen drei oder sieben. Alle beschreiben ähnliche Reaktionen, nur unterschiedlich fein unterteilt, und alle stammen aus der Trauer um Sterbende und Verstorbene. Für Trennungen ist keines dieser Modelle eigens untersucht. Langzeitstudien finden statt einer festen Zahl von Phasen mehrere typische Verläufe.
Sind die Phasen der Trennung dieselben wie die Phasen der Trauer?
In den meisten Darstellungen ja. Die bekannten Phasen der Trennung sind aus Modellen für die Trauer um Verstorbene übernommen, vor allem von Verena Kast und Elisabeth Kübler-Ross. Ein Unterschied bleibt: Nach einer Trennung lebt die andere Person weiter, und oft gibt es weiter Kontakt, etwa wegen gemeinsamer Kinder. Jede Begegnung kann alte Gefühle wieder anstoßen.
Fühlt sich eine Trennung anders an, wenn man selbst gegangen ist?
Oft ja. In einer großen deutschen Befragung sank bei Menschen, die die Trennung angestoßen hatten, die Lebenszufriedenheit schon vor der Trennung und stieg danach im Mittel wieder. Bei Menschen, die verlassen wurden, kam der Einbruch mit der Trennung und war deutlich stärker. Auf längere Sicht erreichten auch die Verlassenen im Mittel wieder ihren früheren Stand. Für einzelne Menschen ist das keine Vorhersage.
Ist es ein Rückschritt, wenn nach Monaten wieder alles hochkommt?
Nein. Von einem Rückschritt könnte man nur sprechen, wenn es eine feste Reihenfolge gäbe, und die gibt es nicht. Gefühle nach einer Trennung kommen oft in Wellen, und Traurigkeit und Wut lassen nicht im Gleichschritt nach. Ein Jahrestag oder eine Nachricht kann sie wieder anstoßen. Hält die Niedergeschlagenheit über Wochen an und geht der Alltag kaum noch, ist ein Gespräch mit der Hausärztin sinnvoll.

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