Zwei verwitterte Holzbänke stehen leicht schräg nebeneinander an einem Parkweg zwischen grünen Hecken

Beziehung

8 Min. Lesezeit

Kommunikationsprobleme in der Beziehung: was dahintersteckt

Kommunikationsprobleme in der Beziehung zeigen sich vor allem im Streit. Welche Muster die Forschung beschreibt, warum auch Stress und Alltag mitreden und wo Paare ansetzen können.

Kommunikationsprobleme in der Beziehung zeigen sich vor allem im Streit, etwa in scharfen Vorwürfen oder in einem Muster, bei dem eine Person drängt und die andere ausweicht. Die Forschung findet aber auch, dass die Art zu reden damit zusammenhängt, wie es der Beziehung und dem Alltag gerade geht. Bessere Sätze allein lösen deshalb nicht jedes Kommunikationsproblem.

„Wir haben ein Kommunikationsproblem.“ Auf diesen Satz können sich viele Paare einigen, und oft meinen beide damit etwas anderes. Für die eine Person heißt er, dass zu wenig geredet wird. Die andere versteht darunter, dass jedes Gespräch zur Grundsatzfrage wird. Manche sagen es so: „Wir können nicht kommunizieren, ohne dass es im Streit endet.“

Kurz gefasst

  • Eine Metaanalyse über 64 Studien fand: Feindseligkeit im Streit hängt deutlich mit geringerer Zufriedenheit in der Beziehung zusammen, Rückzug schwächer.

  • Zuwendung und gemeinsames Lösen von Problemen im Streit hingen ähnlich deutlich mit höherer Zufriedenheit zusammen.

  • Beim Muster aus Drängen und Rückzug drängt eher die Person, deren Anliegen gerade besprochen wird, in gleich- wie in gemischtgeschlechtlichen Paaren.

  • Kommunikation und Zufriedenheit hängen in beide Richtungen zusammen, aber schwächer, als oft angenommen wird.

  • Geldsorgen und belastende Ereignisse hingen in einer Studie mit 414 frisch verheirateten Paaren enger mit einem negativen Ton zusammen als die Zufriedenheit mit der Beziehung.

  • Bei Gewalt in der Beziehung geht es nicht um Kommunikation. Dann geht Schutz vor.

Woran erkennt man gestörte Kommunikation in der Partnerschaft?

Gestörte Kommunikation in der Partnerschaft erkennt man vor allem daran, wie ein Paar im Streit miteinander umgeht. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2011 hat 64 Studien mit zusammen 5.071 Paaren ausgewertet, die beim Streiten beobachtet wurden. Am deutlichsten hing feindseliges Verhalten im Streit mit geringerer Zufriedenheit zusammen.

Rückzug hing schwächer damit zusammen. Genauso aufschlussreich ist, was im Streit vorkommt: Zuwendung und gemeinsames Suchen nach einer Lösung hingen ähnlich deutlich mit höherer Zufriedenheit zusammen. Das sind Zusammenhänge. Ob der Ton die Unzufriedenheit hervorbringt oder umgekehrt, zeigen diese Studien nicht.

Im Alltag kann gestörte Kommunikation zum Beispiel so aussehen:

  • Aus einer Bitte wird schnell ein Urteil über die ganze Person.

  • Eine Person verstummt oder verlässt den Raum, sobald es ernst wird.

  • Sie sprechen über Termine und Einkäufe, aber kaum noch über das, was Sie beschäftigt.

  • Nach einem Gespräch haben beide das Gefühl, aneinander vorbeigeredet zu haben.

Keiner dieser Punkte ist ein Befund über Ihre Beziehung. Sie zeigen, wo es sich lohnt, genauer hinzusehen.

Wenn eine Person drängt und die andere ausweicht

Eines der am besten untersuchten Kommunikationsprobleme ist ein Muster aus Drängen und Rückzug. Eine Person wünscht sich eine Veränderung und spricht sie an, oft mit Kritik. Die andere verteidigt sich oder zieht sich zurück.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2014 hat 74 Studien mit zusammen 14.255 Personen ausgewertet. Sie fand einen mittleren Zusammenhang zwischen diesem Muster und ungünstigeren Ergebnissen in der Beziehung, in den Gesprächen und beim eigenen Befinden. In Stichproben mit bereits belasteten Paaren war der Zusammenhang etwas stärker.

Wer drängt und wer ausweicht, hängt auch davon ab, wessen Thema gerade besprochen wird. In einer Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2010 mit 75 Paaren, darunter lesbische, schwule und heterosexuelle Paare, drängten alle stärker, wenn ihr eigenes Anliegen besprochen wurde. Wenn es um das Anliegen der anderen Person ging, zogen sie sich eher zurück. Mehr Drängen der einen Person ging mit mehr Rückzug der anderen einher. Frauen drängten im Mittel mehr, Männer zogen sich im Mittel mehr zurück. Je mehr Drängen und Rückzug insgesamt, desto geringer war die Zufriedenheit, bei allen Paaren.

Wer drängt, möchte in diesem Moment also etwas verändern. Die Person, die ausweicht, hat das Gespräch in diesem Moment nicht angestoßen. Beide Rollen können in derselben Beziehung wechseln. Wie Sie ein Anliegen ansprechen, ohne dass es sofort kippt, beschreibt der Beitrag darüber, wie ein Streitgespräch anders anfängt.

Was sind die Ursachen von Kommunikationsproblemen?

Kommunikationsprobleme haben selten nur eine Ursache, und fehlendes Geschick ist nur eine davon. Auch Druck von außen, das Thema eines Gesprächs und der Zustand der Beziehung hängen damit zusammen, wie ein Paar miteinander redet. Dasselbe Gespräch kann nach einem Tag voller Sorgen ganz anders verlaufen als an einem freien Wochenende.

Wie stark der Alltag mitredet, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2013. Ein Forschungsteam hat 414 frisch verheiratete Paare aus einkommensschwachen Stadtteilen von Los Angeles zu Hause bei Gesprächen gefilmt. Am engsten hing ein negativer Ton mit Geldsorgen und belastenden Ereignissen der vergangenen Monate zusammen, enger als mit der Zufriedenheit in der Beziehung.

Die Studie hat alles zum selben Zeitpunkt gemessen. Ob Stress den Ton verschärft oder ein gereizter Ton zusätzlichen Stress mit sich bringt, kann sie nicht klären. Für ein Paar ist der Befund trotzdem nützlich: Ein Streit, der nach einer belastenden Woche eskaliert, sagt noch nicht viel darüber, ob Sie beide miteinander reden können. Was Paare tun können, wenn der Druck von außen kommt, steht im Beitrag über Stress in der Beziehung.

Wie Kommunikation und Zufriedenheit zusammenhängen

Viele Ratschläge zur Kommunikation in Beziehungen gehen davon aus, dass gute Gespräche eine Beziehung zufriedener machen. Eine Längsschnittstudie aus dem Jahr 2016 hat das geprüft. Sie hat 431 frisch verheiratete Paare begleitet und ihre Gespräche in den ersten Ehejahren viermal im Abstand von neun Monaten beobachtet.

Zu jedem Zeitpunkt sprachen zufriedenere Paare freundlicher, weniger negativ und wirksamer miteinander. Über die Zeit fand das Team Zusammenhänge in beide Richtungen: Die Gespräche sagten etwas über die spätere Zufriedenheit voraus, und die Zufriedenheit sagte etwas über die späteren Gespräche voraus. Keiner der beiden Wege war besonders stark, und die Zufriedenheit sagte die Gespräche etwas zuverlässiger voraus als umgekehrt. Die Autor:innen folgern, dass bessere Kommunikation ein sinnvoller erster Schritt sein kann, für sich allein aber wahrscheinlich nicht reicht.

Zur Einordnung: Beide Studien stammen aus demselben Forschungsprojekt in den USA und untersuchten Paare in den ersten Ehejahren. Ob sich die Befunde auf Paare übertragen lassen, die seit zwanzig Jahren zusammen sind, ist offen. Als Hinweis taugen sie trotzdem: Wenn Gespräche schwieriger werden, kann das ein Zeichen dafür sein, wie es Ihnen beiden gerade geht. Dass eine Person von Ihnen nicht reden kann, folgt daraus nicht.

Wann es nicht um Kommunikation geht

Alles, was in diesem Beitrag über Gespräche steht, setzt voraus, dass beide nach einem Streit sicher sind.

Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt, körperlich oder seelisch, dann ist Paartherapie nicht der richtige Weg, und ein besser geführtes Gespräch ist es auch nicht. Zuerst geht es um Sicherheit. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Männer erreichen das Hilfetelefon Gewalt an Männern montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110.

Das gilt auch, wenn Sie vor einem Gespräch abwägen, wie gefährlich ein bestimmter Satz werden könnte. Angst vor der Reaktion des Gegenübers ist kein Kommunikationsproblem.

Bestimmt eine unbehandelte Sucht die Gespräche, trägt keine Gesprächsregel. Die Telefonberatung zur Suchtvorbeugung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit erreichen Sie unter 0221 892031. Sie ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besetzt.

Wie lassen sich Kommunikationsprobleme in der Beziehung lösen?

Kommunikationsprobleme in der Beziehung lassen sich gezielter angehen, wenn Sie zuerst klären, welche Art von Problem es ist. Ein Gespräch, das mit einem Vorwurf beginnt, braucht etwas anderes als tagelanges Schweigen nach einem Streit oder ein Alltag, in dem nur noch Organisatorisches besprochen wird. Für mehrere dieser Lagen gibt es in diesem Ratgeber eigene Anleitungen.

Welche Lage auf Sie zutrifft, lässt sich mit ein paar Notizen herausfinden. Schreiben Sie nach dem nächsten schwierigen Gespräch für sich auf, worum es ging, wessen Anliegen es war und was an diesem Tag sonst los war. Nach einigen solchen Notizen sehen Sie vielleicht, ob eher das Thema oder die Belastung des Tages den Ausschlag gibt. Die Notizen bleiben bei Ihnen.

Erwarten Sie von Gesprächsregeln nicht zu viel. Nach der Studie von 2016 kann bessere Kommunikation ein Anfang sein. Eine Garantie für mehr Zufriedenheit ist sie nicht, und unterschiedliche Wünsche, etwa beim Geld oder bei der Frage nach Kindern, bleiben auch in einem freundlichen Gespräch bestehen.

Wann Paartherapie helfen kann

Wenn Sie merken, dass Sie seit Monaten an denselben Stellen festhängen, obwohl Sie es beide versuchen, kann ein Blick von außen helfen. Kommunikationsprobleme gehören zu den typischen Anliegen in der Paartherapie. Ernst zu nehmen sind sie trotzdem, gerade wenn es seit Langem so läuft.

In der Paartherapie in Frankfurt geht es in der ersten Sitzung darum, die Dynamik zwischen Ihnen sichtbar zu machen. Ich gebe dabei keiner Seite recht. Wenn die Beziehung feststeckt, liegt es selten an den Menschen, sondern an dem, was zwischen ihnen passiert.

Häufige Fragen

Warum reden wir in der Beziehung ständig aneinander vorbei?

Aneinander vorbeireden kann entstehen, wenn beide im selben Gespräch etwas anderes wollen: Die eine Person möchte etwas verändern, die andere möchte das Gespräch beenden. In Beobachtungsstudien drängt eher die Person, deren Anliegen gerade besprochen wird. Es kann helfen, zu Beginn zu klären, wessen Anliegen auf dem Tisch liegt, und das andere Anliegen auf einen eigenen Zeitpunkt zu legen.

Können Kommunikationsprobleme eine Beziehung beenden?

Feindseligkeit im Streit und ein festgefahrenes Muster aus Drängen und Rückzug hängen in zwei großen Metaanalysen mit geringerer Zufriedenheit zusammen. Ob eine bestimmte Beziehung daran endet, lässt sich daraus nicht ablesen. Die Forschung zeigt außerdem, dass Kommunikation und Zufriedenheit sich gegenseitig vorhersagen, wenn auch schwach, und dass Belastungen von außen mit dem Ton zusammenhängen. Wie es bei Ihnen beiden weitergeht, entscheiden Sie selbst.

Gibt es typische Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau?

Die Unterschiede sind gering. Eine Metaanalyse über 64 Studien fand im Streitverhalten nur kleine Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Beim Muster aus Drängen und Rückzug drängten Frauen im Mittel mehr, und Männer zogen sich im Mittel mehr zurück. Gleichzeitig drängten in einer Beobachtungsstudie alle stärker, wenn ihr eigenes Anliegen besprochen wurde, auch in gleichgeschlechtlichen Paaren.

Hilft ein Kommunikationstraining bei Kommunikationsproblemen in der Beziehung?

Ein Kommunikationstraining kann ein Anfang sein, die Erwartungen dürfen aber bescheiden bleiben. In einer Längsschnittstudie mit 431 frisch verheirateten Paaren sagte die Art zu reden die spätere Zufriedenheit nur uneinheitlich voraus. Die Autor:innen halten bessere Gespräche für einen sinnvollen ersten Schritt, der für sich allein wahrscheinlich nicht reicht. Kommen Belastungen von außen dazu, kann es mehr brauchen als Gesprächsregeln.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

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