Ein Beziehungsgespräch führen Sie am besten an einem ruhigen Tag, an dem kein Streit in der Luft liegt. Jede Person bereitet sich vorher allein vor. Das Gespräch selbst folgt einer festen Reihenfolge: erst das, was gut läuft, dann eine Sorge pro Person, dann Ideen. Die Vorlage dafür ist der Marriage Checkup, ein kurzes Format aus der Paarforschung.
„Können wir heute Abend mal reden?“ Wer diese Nachricht tagsüber bekommt, rätselt oft den ganzen Nachmittag, was passiert ist. Das Wort Beziehungsgespräch klingt für viele nach Alarm. Es kann aber auch etwas Gewöhnliches meinen: einen regelmäßigen Blick darauf, wie es Ihnen beiden geht.
Kurz gefasst
Der Marriage Checkup stammt von dem US-Psychologen James Córdova und seinem Team.
In einer randomisierten Studie mit 215 Ehepaaren berichteten die Paare danach mehr Nähe als eine Wartegruppe und fühlten sich stärker angenommen. Die Effekte waren klein bis mittel und ließen mit der Zeit nach.
Untersucht wurde das Format meist mit einer Fachperson. Die Fassung für zu Hause ist eine Übertragung davon und als solche nicht geprüft.
Wann dieses Gespräch nicht passt
Ein Beziehungsgespräch setzt voraus, dass beide offen sprechen können und danach sicher sind. In diesen Lagen ist das nicht gegeben.
Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt. Körperliche oder seelische Gewalt, Drohungen und Kontrolle lassen sich in keinem Gespräch klären, und offen zu sagen, was einen belastet, kann dann gefährlich werden. In dieser Lage ist Paartherapie nicht der richtige Weg, und eine Übung zu zweit ist es auch nicht. Zuerst geht es um Sicherheit. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Männer erreichen das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900, montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110.
Läuft gerade ein Streit, ist ein Check-up fehl am Platz. Dafür gibt es eine eigene Anleitung, wie ein Streitgespräch anders anfängt.
Wenn die Frage im Raum steht, ob Sie zusammenbleiben, soll dieses Gespräch nichts entscheiden. Einen anderen Zugang zu dieser Frage bietet der Beitrag Trennen oder bleiben?.
Bestimmt eine unbehandelte Sucht den Alltag, ist dieses Gespräch nicht der erste Schritt. Die Telefonberatung zur Suchtvorbeugung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit erreichen Sie unter 0221 892031. Sie ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besetzt.
Woher die Vorlage kommt: der Marriage Checkup
Der Marriage Checkup ist ein kurzes Format, das der Psychologe James Córdova mit seinem Team in den USA entwickelt hat. Eine Beziehung soll damit eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung bekommen, wie man sie vom Zahnarzt kennt, auch wenn nichts wehtut (Morrill und Kollegen, 2011). Angeboten wird der Checkup ausdrücklich nicht als Therapie. Was das Paar mit den Ergebnissen macht, entscheidet es selbst.
Es gibt zwei Termine von je etwa zwei Stunden, mit ungefähr zwei Wochen Abstand (Córdova und Kollegen, 2014). Im ersten erzählt das Paar, wie es sich kennengelernt hat. Danach geht es um die größten Stärken der Beziehung und um das, was beiden am meisten Sorgen macht. Bei den Sorgen sucht die Fachperson nach der weicheren Seite unter dem Ärger und fragt, wie beide in dasselbe Muster geraten sind.
Im zweiten Termin bekommt das Paar eine schriftliche Rückmeldung in derselben Reihenfolge: Geschichte, Stärken, Sorgen. Zu jeder Sorge gibt es eine Auswahl an Möglichkeiten, und das Paar ergänzt eigene Ideen. Ein Jahr später folgt ein zweiter Durchgang, der mit dem beginnt, was im vergangenen Jahr gut war.
Was der Checkup bewirkt hat und was nicht
Die Effekte sind messbar, aber klein, und sie lassen nach. In der Studie mit 215 Ehepaaren aus dem Nordosten der USA berichteten die Paare mit Checkup über zwei Jahre mehr Nähe als eine Wartegruppe. Sie fühlten sich auch stärker vom Gegenüber angenommen, die Frauen länger als die Männer. Der Unterschied in der Zufriedenheit war klein und nach zwei Jahren nicht mehr nachweisbar. Bei der Zufriedenheit waren die Effekte jeweils direkt nach einem Termin am größten.
In Dänemark wurde der Checkup mit 233 Paaren in einer Praxisumgebung geprüft, mit zwei Durchgängen im Abstand eines Jahres (Trillingsgaard und Kollegen, 2016). Zwischen den Durchgängen flachten die Effekte zunächst ab und kamen später wieder. Nach dem zweiten Durchgang zeigten sich kleine bis mittlere Effekte auf allen gemessenen Bereichen.
Eine Metaanalyse über zwölf randomisierte Studien zu solchen Checkups fand einen kleinen Effekt, der bis zur Nachbefragung nach sechs Monaten anhielt (Fentz und Trillingsgaard, 2016). Ob eine Fachperson begleitete oder die Paare das Format selbst durchgingen, machte keinen messbaren Unterschied. Das ist ein Hinweis, kein Beleg für die Fassung unten, denn ein Gespräch am Küchentisch ohne Fragebögen ist nicht untersucht. Beziehungskurse erreichen in einer Metaanalyse über 117 Studien Effekte in ähnlicher Größenordnung (Hawkins und Kollegen, 2008). Die Paare der Studie von 2014 waren überwiegend weiß und hatten etwas mehr Bildung und Einkommen als der Durchschnitt ihrer Region.
Wie kündige ich ein Beziehungsgespräch an?
Kündigen Sie ein Beziehungsgespräch mit einem Satz an, der sagt, dass nichts passiert ist, und schlagen Sie eine Zeit vor. Beim Checkup war diese Rahmung Absicht. Er wurde als Vorsorge beworben, und es kamen auch viele Paare, die sich selbst nicht als unglücklich beschrieben.
Zum Beispiel so: „Es ist nichts passiert. Ich würde gern mal in Ruhe mit dir schauen, wie es uns gerade geht. Hättest du am Sonntagnachmittag eine Stunde?“ Zeigen Sie die Fragen unten ruhig vorher, damit Sie beide das Beziehungsgespräch vorbereiten können.
Welche Fragen stelle ich mir vor dem Beziehungsgespräch?
Stellen Sie sich Fragen zu den Stärken Ihrer Beziehung, zu einer Sorge und zu Ihrem eigenen Beitrag. Nehmen Sie sich dafür etwa 20 Minuten, allein und schriftlich. Auch im Checkup notiert jede Person vorab für sich ihre Stärken und Sorgen.
Was läuft zwischen uns gut, und woran merke ich das an einem gewöhnlichen Wochentag?
Was haben wir in den letzten Monaten gemeinsam gut hinbekommen?
Was beschäftigt mich an uns gerade am meisten? Eine Sache reicht. Als Themen für das Beziehungsgespräch kommen zum Beispiel Nähe, Gespräche, Geld, Sexualität oder die Aufgaben mit den Kindern infrage.
Was liegt bei mir unter dem Ärger: eine Sorge, eine Kränkung, Einsamkeit?
Was erhoffe ich mir von diesem Gespräch?
Was wäre ich selbst bereit, anders zu machen?
Die Antworten sind Notizen für Sie. Sie ergeben keine Punktzahl und kein Urteil über Ihre Beziehung.
Wie führe ich ein Beziehungsgespräch?
Führen Sie ein Beziehungsgespräch in vier Schritten, in der Reihenfolge des Checkups: Geschichte, Stärken, Sorgen, Ideen. Planen Sie ungefähr eine Stunde ein, an einem Ort ohne Bildschirm, und legen Sie Ihre Notizen dazu. Der Leitfaden für das Beziehungsgespräch enthält in jedem Schritt Fragen an Ihr Gegenüber.
Schritt 1: Beginnen Sie mit Ihrer Geschichte. Beginnen Sie das Beziehungsgespräch beim Anfang Ihrer Beziehung: „Weißt du noch, was dich damals an mir neugierig gemacht hat?“ Fünf Minuten reichen.
Schritt 2: Sprechen Sie über das, was gut läuft. „Was läuft zwischen uns gerade gut?“ Jede Person nennt ihre Punkte. Bei einem Punkt können Sie nachfragen: „Woran merkst du das?“ So wird aus einem Lob ein Bild, etwa: „Wenn einem von uns die Arbeit über den Kopf wächst, übernimmt der andere ohne Diskussion.“
Schritt 3: Eine Sorge pro Person. „Was beschäftigt dich an uns im Moment am meisten?“ Danach zwei Fragen, die unter den Ärger reichen: „Was ist das Schwierige daran für dich?“ und „Wie geraten wir da beide hinein?“ Angenommen, seit beide mehr arbeiten, bleibt kaum Zeit zu zweit. Unter dem Ärger darüber steht vielleicht der Satz: „Ich habe Angst, dass wir uns daran gewöhnen.“ Wie Sie dabei zuhören, ohne sich zu verteidigen, beschreibt eine eigene Anleitung.
Schritt 4: Sammeln Sie Ideen und wählen Sie eine aus. „Was könnten wir ausprobieren?“ Jede Person sagt, was sie selbst tun würde, nicht was die andere tun soll. Wählen Sie eine kleine Sache, schreiben Sie sie auf und schauen Sie nach zwei Wochen, wie es damit läuft. In den Studien lag zwischen zwei ganzen Durchgängen ein Jahr. Ein fester Tag wie der Jahrestag kann dafür ein guter Anlass sein.
Wenn das Gespräch kippt
Wird aus einer Sorge ein Streit, vertagen Sie diese Sorge. Daran erkennen Sie es: Einer von Ihnen wird lauter, oder Sie landen zum dritten Mal am selben Punkt. Sagen Sie dann zum Beispiel: „Das wird mir gerade zu hitzig. Ich schreibe die Sorge auf, und wir nehmen sie uns nächste Woche vor.“ Das Gespräch darf dann bei den Stärken enden.
Wann ein Gespräch zu zweit nicht reicht
Kommt dieselbe Sorge bei jedem Durchgang wieder und bewegt sich nichts, kann ein Blick von außen helfen. Der Checkup war ausdrücklich auch dafür gedacht, Paare mit großen Sorgen zu weiterer Unterstützung zu ermutigen.
In der Paartherapie in Frankfurt geht es in der ersten Sitzung darum, die Dynamik zwischen Ihnen sichtbar zu machen.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man ein Beziehungsgespräch führen?
Eine feste Zahl gibt es dafür nicht. In den Studien zum Marriage Checkup lag zwischen zwei ausführlichen Durchgängen ein Jahr. Dabei zeigte sich, dass die Effekte nach einem Durchgang über die Monate nachlassen und nach dem nächsten wieder zunehmen. Ein regelmäßiger Termin, etwa einmal im Jahr, mit einem kurzen Nachfragen nach einigen Wochen, liegt deshalb nahe.
Welche Themen gehören in ein Beziehungsgespräch?
In ein Beziehungsgespräch gehören zuerst die Stärken der Beziehung und dann eine Sorge pro Person. Der Marriage Checkup fragt unter anderem nach Nähe, Gesprächen, Geld, Sexualität und dem gemeinsamen Umgang mit Kindern. Mehr als zwei Sorgen an einem Abend werden schnell zu viel. Alles Weitere notieren Sie und nehmen es sich beim nächsten Mal vor.
Was tun, wenn mein Partner kein Beziehungsgespräch führen will?
Fragen Sie zuerst, was das Nein bedeutet. Manche hören in dem Wort schon einen Vorwurf oder eine Trennung. Dann hilft es, das Gespräch kleiner zu machen: eine halbe Stunde, nur über das, was gut läuft. Bleibt es beim Nein, können Sie die Fragen an sich selbst trotzdem für sich beantworten. Ein neuer Vorschlag ein paar Wochen später bleibt möglich.

Erkennen Sie sich wieder?
Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.

