Ein Windlicht mit brennender Kerze steht am Abend auf einem Holztisch, im Hintergrund das Meer

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36 Fragen zum Verlieben: ein Abend für Paare

Die 36 Fragen zum Verlieben kommen aus einem Laborversuch, der Nähe zwischen Fremden erzeugen sollte. Paare können sie für einen Abend zu zweit nutzen, und die Forschung zeigt, was davon zu erwarten ist.

Die 36 Fragen zum Verlieben stammen aus einer Studie des Psychologen Arthur Aron und seiner Kolleg:innen aus dem Jahr 1997. Gemessen wurde dort nicht, ob sich jemand verliebt, sondern wie nah sich zwei Fremde nach 45 Minuten Gespräch fühlten. Für Paare, die schon lange zusammen sind, können die Fragen einen Abend tragen, an dem es einmal nicht um Termine und Einkäufe geht.

Nach vielen gemeinsamen Jahren weiß man, wie die andere Person ihren Kaffee trinkt und worüber sie sich im Straßenverkehr aufregt. Dann liegt eine Frage auf dem Küchentisch: „Wann hast du zuletzt für dich allein gesungen?“ Und die Antwort ist eine, die man noch nie gehört hat.

Kurz gefasst

  • Die 36 Fragen sind in drei Sätze mit je zwölf Fragen geteilt. Sie beginnen harmlos und werden von Satz zu Satz persönlicher. Zwei Menschen beantworten jede Frage, abwechselnd beginnt eine Person.

  • In der Originalstudie fühlten sich Studierende danach näher als nach 45 Minuten Smalltalk. Ob sie sich verliebten, wurde nicht untersucht.

  • Das „zum Verlieben“ und der Blick in die Augen wurden durch einen Zeitungsessay von 2015 bekannt.

  • Was die Fragen Paaren allein zu zweit bringen, ist kaum untersucht. Als geführter Abend können die Fragen trotzdem Antworten hervorbringen, die man voneinander noch nicht kannte.

Wann die Fragen nicht passen

Die Fragen setzen voraus, dass sich beide sicher fühlen und Lust auf einen offenen Abend haben.

Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt. Ob körperlich oder seelisch: Wer in einer solchen Beziehung offenlegt, was ihn verletzlich macht, kann sich damit in Gefahr bringen. Dann ist Paartherapie nicht der richtige Weg, und eine Übung zu zweit ist es auch nicht. Zuerst geht es um Sicherheit. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Das Hilfetelefon Gewalt an Männern erreichen Sie montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr: 110.

Wenn gerade ein Streit oder eine Krise im Raum steht. Die Fragen sind nicht für Konflikte gebaut, und mitten in einem festgefahrenen Streit landet man mit ihnen schnell beim alten Thema. Für schwierige Gespräche gibt es eine eigene Anleitung dazu, wie ein Streitgespräch anders anfängt.

Wenn eine Person schon entschieden hat zu gehen oder wenn Alkohol oder eine unbehandelte Sucht den Abend bestimmt, sind diese Fragen nicht das Richtige.

Wenn ein Verlust noch frisch ist. Mehrere Fragen handeln vom Tod, von der Familie und von der schlimmsten Erinnerung. Nach einem Todesfall oder einer schweren Zeit kann das mehr aufwühlen als gewollt. Dann wählen Sie lieber einen anderen Abend oder lassen diese Fragen aus.

Was sind die 36 Fragen zum Verlieben?

Die 36 Fragen sind ein Gesprächsablauf, mit dem Arthur Aron, Elaine Aron und Kolleg:innen im Labor Nähe zwischen Fremden erzeugen wollten. Die Studie von 1997 beschreibt ihn genau. Zwei Studierende, die sich nicht kannten, bekamen drei Stapel mit je zwölf Zetteln. Eine Person las eine Frage vor, dann antworteten beide, und bei der nächsten Frage wechselte das Vorlesen. Nach jeweils 15 Minuten kam der nächste Satz, egal wie weit die beiden gekommen waren.

Zum Vergleich beantworteten andere Zweiergruppen in derselben Zeit Smalltalk-Fragen. Danach gaben alle auf zwei kurzen Skalen an, wie nah sie sich der anderen Person fühlten. Mit den 36 Fragen lag dieser Wert deutlich höher, für ein psychologisches Experiment ein großer Unterschied.

Die Forschenden schreiben ausdrücklich, ihr Ziel sei ein vorübergehendes Gefühl von Nähe gewesen, keine Beziehung. Dass dabei Treue, Abhängigkeit oder Verbindlichkeit entstehen, halten sie für unwahrscheinlich. Ein Paar aus einer früheren Fassung des Versuchs hat später geheiratet. Im Artikel steht das als Anekdote in Klammern.

Woher kommt das „zum Verlieben“?

Berühmt wurden die Fragen 2015 durch einen Essay der Autorin Mandy Len Catron in der New York Times. Unter der Überschrift „To Fall in Love With Anyone, Do This“ beschreibt sie, wie sie die Fragen mit einem Bekannten in einer Bar durchging. Danach sahen sie sich vier Minuten lang schweigend in die Augen. Die beiden verliebten sich, und Catron schreibt selbst, dass sich das kaum allein auf die Studie zurückführen lässt.

Der Blick in die Augen kommt im veröffentlichten Ablauf von 1997 nicht vor, das Ergebnis der Studie entstand also ohne ihn. Wer ihn ausprobieren möchte, kann das trotzdem tun.

Funktionieren die 36 Fragen zum Verlieben?

Für das, wofür sie gebaut wurden, funktionieren die Fragen: Zwei Fremde fühlen sich danach näher als nach einem lockeren Gespräch. Eine Studie aus dem Jahr 2021 hat das bestätigt. Sie verglich die Fragen mit Smalltalk und mit einem freien Kennenlernen ohne Vorgaben, und der Vorsprung war vor allem gegenüber Smalltalk deutlich. Ob die beiden sich dabei gegenübersaßen oder per Video sprachen, machte keinen Unterschied.

Dass Offenheit und Sympathie zusammenhängen, ist gut untersucht. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 1994 fand drei Richtungen. Wer Persönliches erzählt, wird eher gemocht. Wer jemanden mag, erzählt ihm mehr. Und wer sich jemandem anvertraut hat, mag diese Person danach eher.

Für Paare ist die Lage dünner. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 ließ Paare die Fragen allein oder gemeinsam mit einem fremden Paar beantworten. Die leidenschaftliche Liebe in der eigenen Beziehung stieg am deutlichsten, wenn die Paare dem anderen Paar viel von sich erzählten. Paare allein zu zweit waren dort die Vergleichsgruppe. Was die Fragen ihnen bringen, ist damit kaum untersucht.

So läuft der Abend mit den 36 Fragen für Paare

Für einen Abend zu zweit reicht der Ablauf aus der Studie. Die Forschenden haben dafür etwa eine Stunde vorgesehen. Legen Sie die Handys weg und nehmen Sie die Fragen auf Papier mit an den Tisch.

  1. Eine Person liest die Frage vor und antwortet zuerst, danach antwortet die andere. Bei der nächsten Frage wird getauscht.

  2. Die Fragen kommen in der vorgegebenen Reihenfolge, denn die Steigerung gehört zum Verfahren. Nach etwa 15 Minuten wechseln Sie zum nächsten Satz, auch wenn noch Fragen übrig sind. Gründlich antworten ist wichtiger als fertig werden.

  3. Während die andere Person antwortet, hören Sie zu und fragen höchstens nach. Wie Zuhören ohne Rechtfertigung geht, beschreibt der Beitrag Zuhören, ohne sich zu verteidigen.

  4. Passen ist erlaubt. In der Studie sollte keine Frage übersprungen werden. Zu Hause darf jede Person bei einer Frage sagen: „Die lasse ich heute aus.“ Eine Begründung braucht es nicht.

  5. Taucht ein altes Streitthema auf, schreiben Sie es für einen anderen Tag auf und gehen zur nächsten Frage. Kommen Sie davon nicht los, beenden Sie den Abend an dieser Stelle.

Einige Fragen sind für Fremde geschrieben, etwa die nach drei Dingen, die man offenbar gemeinsam hat. Beantworten Sie sie trotzdem, so als säßen Sie sich zum ersten Mal gegenüber. Wer tiefgründige Fragen an den Partner oder die Partnerin sucht, findet sie vor allem im zweiten und dritten Satz.

Erster Satz, Fragen 1 bis 12

  • „Wen hättest du am liebsten als Gast beim Abendessen, wenn du unter allen Menschen der Welt wählen könntest?“

  • „Wie sähe für dich ein perfekter Tag aus?“

  • „Wann hast du zuletzt für dich allein gesungen? Und wann für jemand anderen?“

Zweiter Satz, Fragen 13 bis 24

  • „Gibt es etwas, das du schon lange tun möchtest? Warum hast du es noch nicht getan?“

  • „Was ist deine wertvollste Erinnerung?“

  • „Nennt abwechselnd etwas, das ihr an der anderen Person schätzt, zusammen fünf Dinge.“

Dritter Satz, Fragen 25 bis 36

  • „Bildet jeweils drei wahre Sätze mit ‚wir‘, etwa: ‚Wir sitzen beide hier und fühlen …‘“

  • „Wann hast du zuletzt vor einem anderen Menschen geweint? Und wann allein?“

  • „Erzähl von einem persönlichen Problem und frag die andere Person, wie sie damit umgehen würde. Bitte sie auch, dir zu sagen, wie du dich mit diesem Problem zu fühlen scheinst.“

Die Fragen sind hier sinngemäß übersetzt. Alle 36 stehen auf Englisch im Anhang der Originalstudie und auf der Seite Greater Good in Action der University of California, Berkeley.

Wenn Sie sich gerade erst kennenlernen

Viele, die nach den 36 Fragen suchen, stehen am Anfang. Die Fragen können ein erstes Treffen tiefer machen als Smalltalk. In Experimenten aus dem Jahr 2022 fühlten sich tiefe Gespräche mit Fremden weniger peinlich an, als die Beteiligten vorher erwartet hatten.

Die Nähe nach einem solchen Abend ist echt, aber sie ist ein Gefühl des Moments. Wie verlässlich die andere Person ist und wie sie mit Streit umgeht, zeigt sich erst mit der Zeit.

Wer beim Kennenlernen immer wieder an derselben Stelle hängen bleibt, kann sich das in einer Einzelbegleitung bei mir ansehen, auch ohne Partner:in.

Wenn ein Abend nicht reicht

Die 36 Fragen können zeigen, wie viel man von der anderen Person noch nicht weiß. Einen Konflikt lösen sie nicht, und das Gespräch über das, was zwischen Ihnen schwierig ist, ersetzen sie auch nicht. Wenn sich die Beziehung seit Langem flach anfühlt, steht im Beitrag über eine eingeschlafene Beziehung, was Paare dann ausprobieren können.

Wenn Sie merken, dass jedes offene Gespräch wieder im selben Streit endet, kann ein Blick von außen helfen. In der Paartherapie in Frankfurt sehen wir uns gemeinsam an, was zwischen Ihnen passiert. Ob Sie zusammenbleiben, entscheiden Sie.

Häufige Fragen

Kann man sich mit den 36 Fragen wirklich verlieben?

Ob sich jemand verliebt, hat die Studie von 1997 nicht gemessen. Gemessen wurde, wie nah sich zwei Fremde direkt nach 45 Minuten fühlten, und dieser Wert lag deutlich höher als nach Smalltalk. Die Forschenden sprechen von einem vorübergehenden Gefühl der Nähe. Treue oder Verbindlichkeit entstehen so nach ihrer Einschätzung kaum. Das Versprechen vom Verlieben wurde durch einen Zeitungsessay von 2015 bekannt.

Funktionieren die 36 Fragen auch bei Paaren, die schon lange zusammen sind?

Was die Fragen Paaren allein zu zweit bringen, ist kaum untersucht. Eine Untersuchung von 2014 ließ Paare die Fragen allein oder mit einem fremden Paar beantworten. Die leidenschaftliche Liebe in der eigenen Beziehung stieg am deutlichsten, wenn sie dem anderen Paar viel von sich erzählten. Als Abend zu zweit können die Fragen Neues zeigen. Probleme in der Beziehung lösen sie nicht.

Gehört zu den 36 Fragen der Blick in die Augen?

Im veröffentlichten Ablauf der Studie von 1997 kommt kein Blick in die Augen vor. Bekannt wurden die vier Minuten durch den Essay von Mandy Len Catron in der New York Times von 2015, die sie als Teil der Studie beschreibt. Wer möchte, kann den Blick ausprobieren. Wem er unangenehm ist, lässt ihn weg, denn das Ergebnis der Studie entstand ohne ihn.

Kann man die 36 Fragen auch per Video oder Chat stellen?

Per Video ja. Eine Studie von 2021 fand bei den 36 Fragen keinen Unterschied in der Nähe, ob sich zwei Menschen gegenübersaßen oder per Videochat sprachen. Wie die 36 Fragen im Text-Chat wirken, ist kaum untersucht. Eine Übersichtsarbeit von 2012 fand, dass Menschen online nicht durchgehend mehr von sich erzählen als im direkten Gespräch.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

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