Wenn eine Beziehung eingeschlafen ist, kann es helfen, regelmäßig zusammen etwas zu tun, das für Sie beide neu ist und ein wenig fordert. Der Psychologe Arthur Aron und sein Team haben das in Experimenten mit Paaren untersucht. Die Studien sind klein, und über Jahre wurde die Wirkung nicht beobachtet. Weiter unten steht ein Plan für vier Wochen, mit dem Sie heute Abend anfangen können.
Oft ist gar nichts Bestimmtes passiert. Freitags geht es in dieselbe Pizzeria, beide bestellen dasselbe wie immer, und zu Hause läuft danach die nächste Folge derselben Serie. Viele Menschen beschreiben diesen Zustand mit einem Satz wie: „Es ist nicht schlimm, aber es ist auch nichts mehr.“
Kurz gefasst
In einer eingeschlafenen Beziehung passiert kaum noch etwas Neues gemeinsam. Das ist etwas anderes als Distanz nach einer Verletzung oder eine Erschöpfung, die alles grau macht.
Wer eine eingeschlafene Beziehung wiederbeleben möchte, findet in den Studien einen Ansatz: Paare waren nach gemeinsamen neuen und fordernden Unternehmungen zufriedener als nach alltäglichen oder bloß angenehmen.
Die Studien sind klein und die Nachbeobachtung kurz. Auch vertraute gemeinsame Zeit hängt mit Zufriedenheit zusammen. Der Plan unten ist ein Versuch über vier Wochen, mit offenem Ausgang.
Wann dieser Plan nicht passt
Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt. Bei körperlicher oder seelischer Gewalt ist Paartherapie nicht der richtige Weg, und eine gemeinsame Übung auch nicht. Zuerst geht es um Sicherheit. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Das Hilfetelefon Gewalt an Männern erreichen Sie montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr: 110.
Wenn die Distanz nach einer Verletzung gekommen ist. Hat sich eine Person nach einer Enttäuschung oder einem Vertrauensbruch zurückgezogen, überdeckt ein Ausflug das eher. Wie Paare dort ansetzen können, beschreibt der Beitrag Vertrauen wieder aufbauen.
Wenn hinter der Unlust Niedergeschlagenheit oder Erschöpfung steht. Laut gesundheitsinformation.de sind gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel die Hauptzeichen einer Depression, vor allem, wenn sie zwei Wochen oder länger anhalten. Das sollte ärztlich abgeklärt werden, bei Ihnen oder bei Ihrem Gegenüber. Die 116117 vermittelt Termine, auch in die psychotherapeutische Sprechstunde. Kommt der Druck vor allem von außen, passt der Beitrag über Stress in der Beziehung besser.
Wenn eine Person sich schon entschieden hat zu gehen. Dann geht es um eine andere Frage als um gemeinsame Abende.
Woran merkt man, dass eine Beziehung eingeschlafen ist?
Eine eingeschlafene Beziehung erkennt man eher an Gleichförmigkeit als an Streit. Die Gespräche drehen sich vor allem um Organisatorisches, die gemeinsame Zeit folgt demselben Ablauf, und beide wissen vorher, wie ein Abend endet. Was das für Ihre Beziehung bedeutet, lässt sich aus solchen Anzeichen allein nicht ablesen.
Dass eine lange Beziehung ruhiger wird, ist verbreitet. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 hat 165 Stichproben mit zusammen mehr als 165.000 Menschen ausgewertet. Danach sinkt die Zufriedenheit im Mittel in den ersten zehn Jahren einer Beziehung und steigt bis etwa zum zwanzigsten Jahr wieder an. Über ein einzelnes Paar sagt dieser Mittelwert wenig.
Damit sind Sie nicht das einzige Paar, dem die gemeinsamen Abende gleich vorkommen. Ernst zu nehmen ist es trotzdem. In Befragungen von Arthur Aron und Kollegen hing Langeweile in der Beziehung mit geringerer Zufriedenheit zusammen.
Warum gemeinsames Neues verbindet
Arthur und Elaine Aron gehen davon aus, dass Menschen sich erweitern wollen, durch neue Fähigkeiten, Sichtweisen und Erfahrungen. Am Anfang einer Beziehung passiert das fast von allein, weil man die andere Person und ihre Welt kennenlernt. Später gewöhnt man sich daran. Wer eine langjährige Beziehung neu beleben will, kann nach diesem Modell dort ansetzen: Erlebt ein Paar zusammen etwas Neues, verbindet sich das belebende Gefühl wieder mit der Beziehung.
In derselben Arbeit aus dem Jahr 2000 hat Arthur Aron das in drei Experimenten geprüft. Paare wurden an Handgelenk und Knöchel aneinandergebunden und krabbelten gemeinsam über eine Matte und ein Hindernis, sieben Minuten lang. Vergleichspaare erledigten eine alltägliche Aufgabe. Bei den Paaren mit der neuen Aufgabe stieg die eingeschätzte Beziehungsqualität stärker.
Länger lief eine Studie mit 53 Ehepaaren aus dem Jahr 1993. Zehn Wochen lang verbrachten die Paare jede Woche anderthalb Stunden mit Unternehmungen, die sie selbst als aufregend oder als angenehm eingestuft hatten. Eine dritte Gruppe machte nichts Besonderes. Am Ende waren die Paare mit den aufregenden Unternehmungen zufriedener als die mit den angenehmen. Gemeinsame Zeit allein machte gegenüber der dritten Gruppe keinen deutlichen Unterschied.
Aufregend muss dabei nicht Herzklopfen heißen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 mit Ehepaaren und Freundespaaren fand, dass es vor allem auf das Neue und Fordernde ankam. Körperliche Erregung war dafür nicht nötig.
Was die Studien nicht zeigen
Die Laborversuche dauerten Minuten und maßen die Wirkung gleich danach. Auch die Studien über mehrere Wochen sind klein.
Eine Studie aus dem Jahr 2013 teilte 101 Paare per Zufall auf. Die eine Hälfte bekam vier Wochen lang online Ideen und sollte jede Woche 90 Minuten gemeinsam etwas Aufregendes unternehmen, die andere wartete. Danach waren die Programmpaare zufriedener. Nach vier Monaten lagen ihre Werte noch über dem Anfang, verglichen wurde da aber nur noch mit dem eigenen Ausgangswert. Was nach einem Jahr bleibt, haben diese Studien nicht untersucht.
Neues ist auch nicht das Einzige, was zählt. Eine Tagebuchstudie aus dem Jahr 2026 hat 390 Paare aus Kanada und den USA begleitet. An Tagen mit mehr Neuem waren die Beteiligten zufriedener, an Tagen mit mehr Vertrautem und Gemütlichem aber ebenso, sogar etwas deutlicher. Bei Menschen, die in Beziehungen eher Angst haben, die andere Person zu verlieren, ging vor allem das Vertraute mit mehr Zufriedenheit einher. Die Daten zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Der Freitag in der Pizzeria hat also seinen eigenen Wert.
Was tun, wenn die Beziehung eingeschlafen ist?
Wenn die Beziehung eingeschlafen ist, können Sie vier Wochen lang einmal pro Woche etwa anderthalb Stunden etwas zusammen machen, das für Sie beide neu ist. Dauer und Umfang stammen aus den beiden Studien über mehrere Wochen. Der Plan hat fünf Schritte.
1. Jede Person schreibt allein eine Liste
Jede Person nimmt sich zehn Minuten für sich. Auf die Liste kommt, was für Sie beide neu wäre, ein wenig fordert und zu zweit geht. Ideen für eine eingeschlafene Beziehung können zum Beispiel sein:
einen Stadtteil erkunden, in dem Sie beide noch nie waren
einen Kochkurs für eine Küche, die keine:r von Ihnen kennt
eine Wanderroute, die etwas länger ist als gewohnt
eine Probestunde in der Kletterhalle, beim Tanzen oder beim Improvisationstheater
zu Hause ein Brettspiel mit unbekannten Regeln
eine Führung zu einem Thema, von dem Sie beide wenig wissen
2. Die Listen vergleichen
Legen Sie die Listen nebeneinander. Jede Person darf streichen, was für sie nicht infrage kommt, ohne es zu begründen. Aus dem Rest wählen Sie vier Unternehmungen, eine pro Woche. Sätze, die dabei helfen: „Darauf hätte ich Lust.“ Oder: „Das ist mir zu viel, aber das hier würde ich probieren.“
3. Die Termine festlegen
Tragen Sie vier Termine in den Kalender. Organisieren Sie abwechselnd, damit die Planung nicht immer an derselben Person hängt.
4. Zwei Fragen danach
Nach jeder Unternehmung reichen zwei Fragen, auch auf dem Heimweg: „Was hat dich überrascht?“ und „Was davon würdest du gern noch einmal machen?“ Eine Bilanz über die Beziehung gehört nicht dazu.
5. Nach vier Wochen entscheiden
Entscheiden Sie zusammen, ob Sie weitermachen, etwas ändern oder aufhören. Alle drei Antworten sind in Ordnung.
Wann Sie abbrechen. Wenn über die Termine nur noch gestritten wird oder eine Person sie der anderen zuliebe durchsteht, legen Sie den Plan weg. Sprechen Sie dann über das, was hinter der Unlust steht, statt den nächsten Ausflug zu planen.
Wenn nur einer von Ihnen Lust darauf hat
Oft ist eine Person sofort dabei, und die andere winkt ab. Überreden hilft dann selten, denn wer gedrängt wurde, erlebt eine Unternehmung eher als Pflicht.
Eine offene Frage kann mehr bewirken als ein fertiger Vorschlag: „Gibt es etwas, das du schon lange einmal ausprobieren wolltest?“ Ein zweiter Weg ist, das Vertraute zu behalten und ein Stück zu verändern. Etwa dieselbe Pizzeria, aber ein Gericht, das keine:r von Ihnen kennt.
Gilt das Nein fast allem, was zu zweit stattfinden könnte, geht es um mehr als um Ideen.
Wenn mehr dahintersteckt als Alltag
Manchmal zeigt der Versuch erst, dass etwas anderes fehlt. Die Unternehmungen finden statt, aber die Nähe kommt nicht zurück. Oder jede Planung endet in derselben Auseinandersetzung. Dann lohnt der Blick auf das Muster zwischen Ihnen, und das ist von innen schwer zu sehen.
In der Paartherapie in Frankfurt sehen wir uns gemeinsam an, was zwischen Ihnen passiert, seit es ruhiger geworden ist. Ob Sie zusammenbleiben, entscheiden Sie. Wer zuerst selbst weiterarbeiten möchte, findet eine andere Übung im Beitrag Paartherapie-Übungen für zu Hause.
Häufige Fragen
Woran erkennt man, dass eine Beziehung eingeschlafen ist?
Eine eingeschlafene Beziehung zeigt sich an Gleichförmigkeit. Gespräche drehen sich vor allem um Organisatorisches, gemeinsame Abende laufen gleich ab, und es gibt kaum noch etwas, das beide zum ersten Mal zusammen erleben. Streit muss es dabei nicht geben. Hat sich eine Person nach einer Verletzung zurückgezogen oder ist sie dauerhaft erschöpft, kann etwas anderes dahinterstecken.
Was tun, wenn nur einer von uns etwas Neues ausprobieren will?
Überreden hilft selten, denn eine Unternehmung unter Druck fühlt sich eher wie eine Pflicht an. Eine offene Frage kann mehr bewirken: „Gibt es etwas, das du schon lange einmal ausprobieren wolltest?“ Auch kleine Veränderungen an Vertrautem zählen, etwa ein neues Gericht im Stammlokal. Gilt die Ablehnung fast allem, was zu zweit stattfinden könnte, lohnt ein Gespräch darüber, was zwischen Ihnen los ist.
Ist es normal, dass eine lange Beziehung ruhiger wird?
Ja, das ist verbreitet. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 hat 165 Stichproben ausgewertet. Danach sinkt die Zufriedenheit im Mittel in den ersten zehn Jahren einer Beziehung und steigt bis etwa zum zwanzigsten Jahr wieder an. Das ist ein Durchschnitt. Ernst nehmen sollten Sie es trotzdem, wenn Sie beide darunter leiden, denn Langeweile hängt in Befragungen mit geringerer Zufriedenheit zusammen.
Muss eine gemeinsame Unternehmung aufregend sein?
Nervenkitzel ist nicht nötig. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 fand, dass es vor allem auf das Neue und Fordernde ankam. Ein Tanzkurs oder ein unbekannter Stadtteil kann also reichen. Eine Tagebuchstudie aus dem Jahr 2026 zeigt außerdem, dass auch vertraute, gemütliche Zeit zu zweit mit Zufriedenheit zusammenhängt. Beides darf nebeneinander stehen.

Erkennen Sie sich wieder?
Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.

