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Beziehung

5 Min. Lesezeit

Wenn er das Fremdgehen abstreitet

Warum Leugnen so zermürbt, wie Sie Ihrer Wahrnehmung wieder trauen und was sich klären lässt, auch ohne Geständnis. Von Nadin Billing, Frankfurt.

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Partner fremdgeht, und er es abstreitet, kommt zur Sorge ein zweites Problem hinzu. Sie fangen an, an Ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Dieser Zweifel zermürbt auf Dauer am meisten, und zwar unabhängig davon, ob der Verdacht am Ende zutrifft.

Kurz gefasst

Ich kann Ihnen nicht sagen, ob etwas passiert ist. Niemand kann das von außen, und jeder Text, der so tut, verkauft Ihnen Gewissheit, die er nicht hat.

Was sich klären lässt, ist etwas anderes: warum dieser Zustand so zersetzend wirkt, wie Sie zu Ihrer Wahrnehmung zurückfinden und was Sie brauchen, um weitermachen zu können, ganz gleich wie es ausgeht.

Was nicht weiterführt, sind Beweise. Wer Beweise sammelt, bekommt entweder keine oder Gewissheit über einen einzelnen Vorgang, aber nicht das, worum es eigentlich geht.

Warum das Leugnen so viel schwerer wiegt als die Tat

Bei einer eingestandenen Affäre wissen beide, woran sie sind. So schlimm das ist, es gibt einen gemeinsamen Ausgangspunkt.

Beim Abstreiten fehlt genau der. Sie leben in einer Wirklichkeit, Ihr Gegenüber behauptet eine andere, und Sie können nicht beide haben. Da Beziehungen darauf beruhen, dass man sich über das Grundsätzliche einig ist, gerät damit alles ins Rutschen: Wenn ich mich hierin so täusche, worin täusche ich mich noch?

Dazu kommt die Erschöpfung. Ein Verdacht, der weder bestätigt noch ausgeräumt wird, bindet Aufmerksamkeit rund um die Uhr. Viele Betroffene beschreiben, dass sie nicht mehr abschalten können, schlecht schlafen und tagsüber nur mit Mühe funktionieren. Das ist keine Überempfindlichkeit, sondern die vorhersehbare Folge eines ungelösten Alarmzustands.

Was es mit Ihrer Wahrnehmung macht

Wenn jemand wiederholt sagt, Sie sähen Gespenster, verschiebt sich mit der Zeit Ihr Maßstab. Sie prüfen nicht mehr, ob etwas stimmt, sondern ob Sie sich das erlauben dürfen zu denken.

Ein Anhaltspunkt, der oft hilft: Achten Sie nicht auf einzelne Indizien, sondern darauf, wie Sie nach Gesprächen aus dem Zimmer gehen. Wenn Sie regelmäßig verwirrter herauskommen, als Sie hineingegangen sind, obwohl Sie mit einer klaren Frage angefangen haben, ist das ein Muster, das man sich ansehen sollte.

Das sagt noch nichts darüber, was passiert ist. Es sagt etwas darüber, wie in Ihrer Beziehung mit Unklarheit umgegangen wird, und das ist für sich genommen schon ein Thema.

Bringt es etwas, Beweise zu sammeln?

Die Beweissuche bringt selten, was man sich von ihr erhofft. Der Gedanke liegt nahe: Wenn ich es beweisen kann, muss er es zugeben, und dann kommen wir weiter. Wer aber über Monate abstreitet, hört oft auch bei klaren Hinweisen nicht damit auf und findet eine neue Erklärung.

Selbst wenn es zu einem Eingeständnis kommt, ist damit nur etwas festgestellt. Aufgearbeitet ist dadurch noch nichts.

Vor allem aber kostet die Beweissuche Sie etwas. Wer anfängt, Telefone zu prüfen und Zeiten abzugleichen, macht sich zur Ermittlerin in der eigenen Beziehung. Das ist eine Rolle, aus der man schwer wieder herauskommt, und sie zehrt zusätzlich an dem Selbstvertrauen, das ohnehin schon angegriffen ist.

Was kann ich tun, wenn er das Fremdgehen abstreitet?

Sie können klären, was Sie selbst brauchen. Dafür müssen Sie nicht wissen, was passiert ist. Ein Geständnis lässt sich nicht erzwingen, Ihre eigene Lage können Sie dagegen benennen. Drei Fragen helfen dabei.

Was brauche ich, um weitermachen zu können? Nicht, was er zugeben müsste, sondern was in meinem Alltag anders sein müsste. Diese Frage verschiebt den Fokus von etwas, das Sie nicht beeinflussen können, zu etwas, das Sie benennen können.

Wie lange will ich in diesem Zustand bleiben? Das ist keine Entscheidung über die Beziehung. Es ist eine Frage nach Ihrer eigenen Belastbarkeit, und sie lässt sich auch mit offener Lage beantworten.

Was ist unabhängig vom Verdacht nicht in Ordnung? Viele Menschen stellen dabei fest, dass sie schon länger etwas vermissen, und dass der Verdacht das erste Mal ist, dass sie es deutlich spüren.

Was ein Gespräch dazu bringen kann

Wenn Sie es noch einmal ansprechen, hilft es, das Ziel zu ändern. Ein Gespräch, das ein Geständnis erzwingen soll, endet zuverlässig in Abwehr. Ein Gespräch über Ihre Lage kann etwas bewegen.

Der Unterschied liegt im ersten Satz. „Ich weiß, dass da etwas ist“ führt zur Verteidigung. „Ich komme seit Monaten nicht zur Ruhe, und ich halte das so nicht mehr aus“ ist nicht widerlegbar, weil es Ihre Erfahrung beschreibt.

Eine ausführlichere Anleitung dafür steht in dem Beitrag darüber, wie ein Streitgespräch anders anfängt.

Wenn Druck oder Drohungen dazukommen

Wenn Ihr Gegenüber Sie unter Druck setzt, Ihnen droht, Sie isoliert oder einschüchtert, geht es nicht mehr um einen Beziehungskonflikt. Dann geht Schutz vor, und ein klärendes Gespräch ist der falsche Weg.

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 116 016 erreichbar. Für Männer gibt es das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110.

Wenn Sie nicht mehr weiterwissen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 erreichbar. Wenn die Belastung über Wochen anhält und Sie den Alltag kaum bewältigen, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wenn Sie darüber sprechen möchten

In dieser Lage kommt meistens nur eine Person, und das ist in Ordnung. In einer Einzelbegleitung arbeiten wir daran, wie Sie zu Ihrer eigenen Wahrnehmung zurückfinden und was Sie brauchen, unabhängig davon, wie die Sache ausgeht. Es geht dabei nicht darum, den Verdacht zu bestätigen oder auszureden.

Wenn Ihr Gegenüber bereit ist mitzukommen, ist auch eine Paartherapie möglich. Dort geht es nicht um Beweise, sondern darum, wie Sie beide mit der Unklarheit umgehen.

Der Überblick über das ganze Thema steht auf der Seite Affäre in der Beziehung.

Häufige Fragen

Bilde ich mir das vielleicht wirklich nur ein?

Das kann sein, und es kann auch nicht sein. Beides kommt vor. Was in jedem Fall zutrifft: Ein Zustand, in dem Sie seit Monaten nicht zur Ruhe kommen, ist ein Problem, ganz gleich woher er kommt. Er verdient Aufmerksamkeit, auch ohne Beweis.

Soll ich ihn mit dem konfrontieren, was ich habe?

Das kann Klarheit bringen, und es kann die Lage verhärten. Bevor Sie es tun, klären Sie für sich, was Sie sich davon erhoffen und was passiert, wenn es nicht eintritt. Eine Konfrontation ohne diese Vorüberlegung endet meistens schlechter als die Lage davor.

Er sagt, ich sei krankhaft eifersüchtig. Stimmt das?

Diese Einschätzung kann Ihnen niemand aus der Ferne geben, ich auch nicht. Was sich sagen lässt: Eifersucht ohne Anlass und Misstrauen nach einem Anlass sind zwei verschiedene Dinge, und sie fühlen sich von innen ähnlich an. Genau das lässt sich in einem Gespräch mit einer dritten Person auseinandersortieren.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

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Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.