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Beziehung

6 Min. Lesezeit

Wenn der Kontakt zur Affäre nicht abbricht

Warum ohne Kontaktabbruch keine Aufarbeitung beginnt, woran Sie erkennen, ob es nicht geht oder nicht gewollt ist, und was Sie konkret vereinbaren können.

Solange der Kontakt zur anderen Person weiterbesteht, kann die Aufarbeitung nicht anfangen. Das liegt nicht an mangelndem guten Willen, sondern daran, dass sich Verlässlichkeit nicht aufbauen lässt, solange die Quelle der Unsicherheit weiter im Alltag vorkommt. Wenn Sie das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten, ist das eine zutreffende Wahrnehmung.

Kurz gefasst

Ein Kontaktabbruch ist keine Strafe für das Gegenüber und keine Trophäe für Sie. Er ist die praktische Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas Neues entstehen kann.

Es gibt Lagen, in denen ein vollständiger Abbruch nicht sofort möglich ist, zum Beispiel am gemeinsamen Arbeitsplatz. Dann geht es um etwas anderes: um nachvollziehbare Regeln, um Offenheit über das, was stattfindet, und um eine erkennbare Richtung.

Was in keinem Fall hilft, ist Kontrolle. Wer anfängt, Telefone zu prüfen, übernimmt eine Aufgabe, die eigentlich beim Gegenüber liegt, und zahlt dafür mit dem Rest der eigenen Ruhe.

Warum der Kontakt so viel ausmacht

Nach einer Affäre versucht die betrogene Person, eine Frage zu beantworten: Kann ich mich darauf verlassen, was mir gesagt wird? Diese Frage lässt sich nicht durch Beteuerungen klären, sondern nur durch Erfahrung über Zeit.

Jeder fortbestehende Kontakt setzt diese Erfahrung zurück. Nicht weil zwangsläufig etwas passiert, sondern weil jede Nachricht die Frage neu aufwirft, ob es diesmal wieder etwas gibt, das nicht erzählt wurde. Der Zustand ist damit nicht stabil, sondern wird wöchentlich neu erschüttert.

Genau deshalb beschreiben Paare, die eine Untreue aufgearbeitet haben, dass am Anfang das Stabilisieren stand, bevor überhaupt an der Beziehung gearbeitet werden konnte (Fife und Kollegen, 2023). Diese Untersuchung hat 16 Paare befragt, die zusammengeblieben sind und die Sache nach eigener Einschätzung überwunden haben. Sie sagt nichts darüber, wie häufig das gelingt. Sie beschreibt nur, in welcher Reihenfolge diese Paare vorgegangen sind, und das Stabilisieren kam zuerst.

Geht es nicht, oder wird es nicht gewollt?

Das ist die entscheidende Unterscheidung, und sie ist von außen schwer zu treffen. Drei Anhaltspunkte helfen dabei, ohne dass Sie zur Ermittlerin werden müssen.

Der erste: Wird das Problem benannt oder wegerklärt? Jemand, der den Kontakt nicht sofort abbrechen kann, sagt in der Regel von sich aus, warum, und macht Vorschläge, wie es trotzdem erträglich wird. Jemand, der nicht will, erklärt Ihnen, warum Ihre Sorge übertrieben ist.

Der zweite: Kommen die Informationen von selbst? Erfahren Sie von Kontakten, weil er es erzählt, oder weil Sie es herausfinden? Der Unterschied ist bedeutsamer als die Häufigkeit der Kontakte.

Der dritte: Gibt es eine Richtung? Ein unvermeidbarer Kontakt am Arbeitsplatz kann sich über Monate verändern, durch eine Versetzung, durch veränderte Abläufe, durch eine klare Ansage an die andere Person. Wenn sich in einem halben Jahr nichts bewegt hat, ist das selbst eine Antwort.

Keiner dieser Punkte erlaubt ein sicheres Urteil. Zusammen ergeben sie ein Bild, das belastbarer ist als jedes einzelne Indiz.

Was lässt sich vereinbaren, solange noch Kontakt zur Affäre besteht?

Sie können vereinbaren, welche Kontakte noch stattfinden und auf welchem Weg. Legen Sie auch fest, wer wem wann davon erzählt und was geschieht, wenn sich die andere Person von sich aus meldet. Je konkreter das ist, desto besser wissen beide, woran sie sind.

Eine Vereinbarung ist etwas anderes als eine Forderung. Sie beschreibt, was passiert, nicht was jemand sein soll.

Dazu gehört ein Zeitrahmen. Eine Regelung, die auf unbestimmte Zeit gilt, ist keine Übergangslösung, sondern ein Zustand. Setzen Sie sich einen Zeitpunkt, an dem Sie beide schauen, ob es besser geworden ist.

Und es gehört dazu, dass Sie sagen, was Sie brauchen, statt zu erraten, was durchsetzbar ist. Ein Satz wie „Ich brauche, dass ich es von dir erfahre und nicht von jemand anderem“ ist überprüfbar. „Du musst endlich aufhören“ ist es nicht.

Warum Kontrolle der falsche Weg ist

Wenn Verlässlichkeit fehlt, liegt der Gedanke nahe, sie durch Überwachung zu ersetzen. Handy lesen, Standort abgleichen, Zeiten prüfen.

Das funktioniert kurz und schadet lang. Es beruhigt für Stunden und erzeugt dann Bedarf nach der nächsten Prüfung, weil jede Kontrolle nur den Moment abdeckt. Vor allem aber verschiebt es die Verantwortung. Die Aufgabe, Vertrauen wiederherzustellen, liegt bei der Person, die es gebrochen hat. Wer sie übernimmt, entlastet das Gegenüber und erschöpft sich selbst.

Wenn Sie merken, dass Sie in diese Rolle geraten sind, ist das kein Charakterfehler, sondern eine sehr nachvollziehbare Reaktion. Es ist aber ein Punkt, an dem Hilfe von außen sinnvoll wird.

Wenn sich nichts bewegt

Es kann sein, dass Sie nach Monaten an derselben Stelle stehen. Dann steht eine unangenehme Frage im Raum, und sie lautet nicht „Wie bringe ich ihn dazu“, sondern: Was heißt es für mich, wenn es so bleibt?

Diese Frage entscheidet nichts über die Beziehung. Sie klärt nur, was Sie selbst tragen können und wie lange. Das ist eine Frage, die man selten allein gut beantwortet, weil man mitten darin sitzt.

Wenn Sie bedroht werden

Wenn Ihr Gegenüber Sie unter Druck setzt, Ihnen droht oder Sie einschüchtert, geht es nicht mehr um Aufarbeitung. Dann geht Schutz vor. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110.

Wenn Sie nicht mehr weiterwissen und die Gedanken sich im Kreis drehen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 erreichbar.

Wenn Sie darüber sprechen möchten

Dieser Zustand lässt sich zu zweit selten auflösen, weil beide Seiten inzwischen sehr unterschiedliche Erfahrungen damit gemacht haben. In der Paartherapie in Frankfurt klären wir, was tatsächlich vereinbart ist, was davon gehalten wird und was jede:r von Ihnen braucht, um weiterzumachen.

Wenn Ihr Gegenüber dazu nicht bereit ist, können Sie auch allein kommen. Der Rahmen ist dann eine Einzelbegleitung, und es geht darum, wie Sie mit dieser Lage umgehen, solange sie besteht.

Der Überblick über das ganze Thema steht auf der Seite Affäre in der Beziehung.

Häufige Fragen

Muss der Kontakt wirklich vollständig abbrechen?

In den meisten Fällen ja, zumindest für eine längere Anfangszeit. Wo das nicht möglich ist, braucht es an seiner Stelle Offenheit und eine nachvollziehbare Regelung. Was nicht funktioniert, ist ein reduzierter Kontakt, über den nicht gesprochen wird.

Darf ich verlangen, dass er die Nummer löscht?

Sie dürfen sagen, was Sie brauchen. Ob es geschieht, entscheidet die andere Person, und genau daran erkennen Sie etwas. Ein erzwungenes Löschen vor Ihren Augen stellt kein Vertrauen her, es stellt nur einen Moment her.

Wie lange soll ich das aushalten?

Dafür gibt es keine Zahl, und wer Ihnen eine nennt, kennt Ihre Situation nicht. Hilfreicher ist die Frage, ob sich in den letzten Monaten etwas bewegt hat, und ob Sie sagen könnten, woran Sie das merken.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

Erkennen Sie sich wieder?

Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.