Wer kein Vertrauen zum Partner oder zur Partnerin mehr hat, lebt mit einer Frage, die sich nicht abschalten lässt: Stimmt das, was ich höre? Der Anlass des Misstrauens liegt in der Gegenwart oder in früheren Erfahrungen. Nachsehen und Nachfragen bringen selten die erhoffte Ruhe. Ob das Misstrauen berechtigt ist, hängt davon ab, ob es einen fortlaufenden Grund gibt.
Kurz gefasst
Vertrauen ist eine Erwartung: dass sich die andere Person vorhersehbar verhält, dass Sie sich auf sie verlassen können und dass das so bleibt.
Misstrauen speist sich aus zwei Quellen. Die eine ist das, was in der Beziehung gerade passiert, die andere das, was Sie früher erlebt haben. Oft ist es eine Mischung.
Lügen beschädigen Vertrauen dauerhafter als ein unzuverlässiges Verhalten allein. Verlässlichkeit reicht danach nicht immer aus, um es zurückzuholen.
Kontrollieren beruhigt selten. Es gibt Hinweise, dass wiederholtes Prüfen den Zweifel eher nährt.
Misstrauen ist berechtigt, wenn es etwas abbildet, das weiter passiert. Wenn Überwachung, Drohungen oder Gewalt dazukommen, geht Schutz vor.
Warum habe ich kein Vertrauen mehr zum Partner?
Kein Vertrauen mehr zu haben heißt: Sie rechnen nicht mehr damit, dass stimmt, was Ihr Gegenüber sagt. Und Sie rechnen nicht mehr damit, sich darauf verlassen zu können. Die Psychologen John Rempel, John Holmes und Mark Zanna haben Vertrauen in nahen Beziehungen 1985 in drei Teile gegliedert (Rempel, Holmes und Zanna, 1985). Der erste ist die Vorhersagbarkeit, der zweite die Verlässlichkeit, der dritte die Zuversicht, dass beides auch künftig gilt.
Mit diesem Bild lässt sich genauer sagen, was fehlt. Wissen Sie nicht mehr, woran Sie sind? Können Sie sich nicht mehr verlassen? Oder fehlt die Zuversicht, auch wenn es gerade gut läuft?
Eine zweite Unterscheidung erklärt mehr darüber, warum das Misstrauen bleibt. Misstrauen kann aus der Gegenwart kommen: aus Unstimmigkeiten, Ausreden und Dingen, die nicht zusammenpassen. Es kann auch aus früheren Erfahrungen stammen, in dieser oder in einer anderen Beziehung.
Typische Gedanken klingen dann sehr verschieden. „Ich glaube kein Wort mehr“ gehört zur ersten Quelle. „Eigentlich ist nichts passiert, und trotzdem traue ich der Sache nicht“ gehört eher zur zweiten.
Wie Vertrauen nach einem Bruch wieder wachsen kann und was beide dazu beitragen, steht im Überblick darüber, wie sich Vertrauen wieder aufbauen lässt.
Wenn das Misstrauen von Lügen kommt
Ist das Vertrauen zum Partner wegen Lügen verloren gegangen, ist das Misstrauen zunächst eine vernünftige Schlussfolgerung. Eine Lüge lässt ein unzuverlässiges Verhalten absichtlich erscheinen. Mit diesem Gedanken begründen die Forschenden des folgenden Experiments ihre Erwartung.
Ein Laborexperiment aus dem Jahr 2006 zeigt, wie hartnäckig der Schaden ist (Schweitzer, Hershey und Bradlow, 2006). 262 junge Erwachsene spielten mehrere Runden ein Geldspiel. Ihr Gegenüber ließ sie in den ersten beiden Runden leer ausgehen und verhielt sich danach verlässlich. Das Vertrauen erholte sich dann wieder.
Anders war es, wenn das Gegenüber vorher zusätzlich gelogen hatte. Dann erholte sich das Vertrauen nie ganz, auch nicht nach einem Versprechen, einer Entschuldigung und mehreren verlässlichen Runden. Es waren anonyme Spielpartner, keine Paare. Die Forschenden gehen selbst davon aus, dass ein Vertrauensbruch in einer gewachsenen Beziehung schwerer wiegt.
Für den Alltag heißt das: Solange weiter gelogen wird, bildet Ihr Misstrauen ab, was passiert. Auch nach dem Ende der Lügen genügt verlässliches Verhalten nach diesem Befund nicht immer.
Steht hinter den Lügen eine Affäre, kommen eigene Fragen dazu. Sie stehen im Überblick zur Affäre in der Beziehung.
Wenn das Misstrauen älter ist als die Beziehung
Manchmal passt die Stärke des Misstrauens nicht zu dem, was in der Beziehung vorgefallen ist. Eine verspätete Nachricht oder ein unbekannter Name auf dem Bildschirm löst dann mehr aus, als die Situation hergibt.
Eine US-Studie hat 484 Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren durch zwei aufeinanderfolgende Beziehungen begleitet (Knopp und Kollegen, 2017). Wer in der ersten Beziehung Untreue vermutet hatte, vermutete sie in der nächsten deutlich häufiger wieder. Das betraf 37 Prozent, gegenüber 6 Prozent bei denen ohne früheren Verdacht. Ob die Verdachte stimmten und woran die Wiederholung liegt, konnte die Studie nicht klären.
Dazu passt eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 über 53 Arbeiten mit zusammen mehr als 45.000 Erwachsenen (Bao und Kollegen, 2022). Wer in nahen Beziehungen eher Angst hat, verlassen zu werden, vertraut anderen im Schnitt weniger. Das gilt auch für Menschen, die in nahen Beziehungen eher auf Abstand gehen. Das ist ein Zusammenhang über viele Menschen, keine Aussage über Sie.
Dass frühere Erfahrungen mitreden, ist gut untersucht. Ernst zu nehmen ist es trotzdem. Es belastet die jetzige Beziehung, auch ohne einen Vorfall darin. Ein Recht, die andere Person zu überwachen, folgt daraus nicht.
Warum Kontrollieren das Misstrauen nicht beruhigt
„Ich kontrolliere heimlich das Handy und hasse mich dafür.“ So oder ähnlich klingt es, wenn jemand nachsieht, obwohl er es nicht will.
Nachsehen verspricht Gewissheit und hält das Versprechen selten. Findet sich nichts, beweist das wenig, denn es könnte woanders sein. Findet sich etwas, ist eine Frage beantwortet, aber nicht die, wie es weitergeht.
Die Gedächtnisforschung hat wiederholtes Prüfen im Experiment untersucht. In Versuchen aus dem Jahr 2003 kontrollierten gesunde Versuchspersonen immer wieder einen virtuellen Gasherd (van den Hout und Kindt, 2003). Ihre Erinnerung blieb genauso genau, wurde aber blasser. Auch das Vertrauen in die eigene Erinnerung sank. Eine Studie mit 50 Studierenden an einem echten Herd kam zum selben Ergebnis (Radomsky und Kollegen, 2006).
Die Forschenden nennen das Prüfen deshalb eine Sicherheitsstrategie, die nach hinten losgeht. Ein Herd ist allerdings kein Mensch. Ob sich das auf das Kontrollieren eines Menschen übertragen lässt, ist nicht untersucht.
Für Paare gibt es eine Längsschnittstudie mit 322 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren (Métellus und Kollegen, 2025). Wer in sozialen Medien eifersüchtiger war, überwachte ein Jahr später die Partnerin oder den Partner elektronisch stärker. Die Überwachung verringerte die Eifersucht aber nicht. Mit geringerer Zufriedenheit hing nur die Eifersucht zusammen.
Kontrolle kann außerdem selbst zum Thema werden. Wer merkt, dass er überprüft wird, kann das als Misstrauenserklärung erleben. Dann dreht sich das Gespräch um das Kontrollieren, und der Anlass gerät aus dem Blick.
Wann ist Misstrauen in der Beziehung berechtigt?
Misstrauen ist berechtigt, wenn es etwas abbildet, das weiter passiert. Das ist der Fall, wenn sich Aussagen wiederholt als falsch herausstellen, wenn Absprachen gebrochen und danach bestritten werden oder wenn Erklärungen nicht zusammenpassen. Wie stark das Gefühl ist, ist dafür kein guter Maßstab. Es kommt darauf an, ob es einen fortlaufenden Anlass gibt, den Sie benennen können.
Ist das Vertrauen in der Beziehung verloren, weil weiter gelogen wird, lässt es sich nicht durch Arbeit an den eigenen Gefühlen zurückholen. Der nächste Schritt liegt dann bei der anderen Person.
Schwieriger ist es, wenn das Misstrauen keinen aktuellen Anlass findet und trotzdem nicht nachlässt. Dann hilft die Frage, was Sie ohne Kontrolle beobachten können: ob Absprachen halten und ob das Gesagte zu dem passt, was geschieht. Gemeint ist Verhalten, das Sie im Alltag sehen, nicht etwas, das Sie heimlich suchen müssten.
Wenn aus Misstrauen Kontrolle wird
Misstrauen hat eine Grenze, an der es aufhört, ein Beziehungsthema zu sein. Überwacht eine Person die andere, verbietet ihr Kontakte, kontrolliert ihr Geld, droht ihr oder schüchtert sie ein, dann ist das Gewalt. Die Weltgesundheitsorganisation zählt kontrollierendes Verhalten ausdrücklich zur Gewalt in Partnerschaften (WHO, Factsheet Gewalt gegen Frauen). Sie nennt es neben körperlicher Aggression, sexuellem Zwang und psychischer Gewalt.
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 hat 51 Studien aus 28 Ländern ausgewertet (Pichon und Kollegen, 2020). Sie fand durchgängig einen Zusammenhang zwischen Eifersucht, vermuteter oder tatsächlicher Untreue und Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften.
Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt, körperlich oder seelisch, dann ist Paartherapie nicht der richtige Weg. Zuerst geht es um Sicherheit.
Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Für Männer gibt es das Hilfetelefon Gewalt an Männern, montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr: 110.
Wenn Sie merken, dass Ihr eigenes Nachsehen zur Überwachung geworden ist und nicht aufhört, ist das ein guter Grund für Unterstützung. Sie können sie zunächst auch für sich allein suchen.
Was tun, wenn man kein Vertrauen zum Partner hat?
Zuerst lohnt es sich zu sortieren, woher das Misstrauen kommt. Dabei hilft eine Frage: Was ist passiert, das ich benennen kann, und was befürchte ich, ohne es benennen zu können? Wer beides auseinanderhält, kann mit dem Gegenüber über etwas Bestimmtes sprechen. Ob Sie wieder vertrauen wollen, müssen Sie dafür nicht heute entscheiden.
Mehr als Beteuerungen sagt Verlässlichkeit. „Du lügst mich doch nicht an?“ lässt sich jederzeit mit Nein beantworten, deshalb beweist die Antwort wenig. Absprachen, die sich im Alltag zeigen, sagen mehr: wann jemand zurück ist und wer Bescheid gibt, wenn sich etwas ändert.
Wer selbst nachsieht, kann auf den Moment davor achten: welcher Gedanke, welche Situation. Das ändert noch nichts. Es zeigt aber, ob der Anlass in der Gegenwart liegt oder in einer älteren Erfahrung.
Steht hinter dem Misstrauen ein bestimmter Moment, in dem Sie sich im Stich gelassen gefühlt haben, gibt es dafür ein eigenes Gesprächsverfahren. Es ist im Beitrag über Vertrauen nach einer Enttäuschung beschrieben.
Wann Paartherapie helfen kann
Misstrauen betrifft immer zwei Menschen: den, der misstraut, und den, dem misstraut wird. Deshalb lässt es sich allein schwer auflösen. Endet jedes Gespräch darüber in Vorwurf und Verteidigung, setzt eine Paartherapie in Frankfurt an. Das gilt auch, wenn Sie nicht mehr unterscheiden können, was aus der Gegenwart kommt und was aus früheren Erfahrungen.
Wir sehen uns an, was zwischen Ihnen passiert, wenn das Misstrauen anspringt. Ich stelle keine Diagnose. Ich entscheide nicht, ob Sie zusammenbleiben. Ich gebe keiner Seite recht.
Wenn Ihr Gegenüber nicht mitkommen möchte, können Sie auch zuerst allein kommen. Bei Gewalt in der Beziehung ist Paartherapie nicht der richtige Rahmen.
Häufige Fragen
Hilft es, das Handy des Partners zu kontrollieren?
Selten so, wie man es sich erhofft: Wenn nichts zu finden ist, beweist das wenig, und der Zweifel sucht sich den nächsten Anlass. Ein Fund beantwortet eine Frage, aber nicht die, wie es weitergeht. Experimente aus der Gedächtnisforschung deuten außerdem darauf hin, dass wiederholtes Prüfen Zweifel eher nährt als beseitigt. Heimliches Nachsehen wird zudem selbst zum Konflikt, sobald es auffällt.
Ist Misstrauen in einer Beziehung immer ein schlechtes Zeichen?
Nein, Misstrauen kann eine zutreffende Wahrnehmung sein, etwa wenn wiederholt gelogen wird. Dann zeigt es etwas an, das tatsächlich passiert. Schwierig wird es, wenn es keinen aktuellen Anlass findet und sich trotzdem nicht beruhigt oder wenn es in Kontrolle umschlägt. Hilfreich ist die Frage, ob Sie benennen können, was gerade passiert, oder ob Sie vor allem befürchten, dass etwas passieren könnte.
Mein Partner kontrolliert mich ständig. Ist das noch Eifersucht?
Wenn jemand Ihr Handy durchsucht, Ihren Standort verlangt, Ihnen Kontakte verbietet oder Ihr Geld kontrolliert, geht das über Eifersucht hinaus. Die Weltgesundheitsorganisation zählt kontrollierendes Verhalten zur Gewalt in Partnerschaften. Dann geht Ihre Sicherheit vor, und Paartherapie ist nicht der richtige Weg. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900, bei akuter Gefahr die 110.

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