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Einzelbegleitung

6 Min. Lesezeit

Mein Partner will keine Paartherapie. Was jetzt?

Warum ein Nein zur Paartherapie selten am Thema liegt, was Sie allein verändern können und wo die Grenzen liegen. Von Nadin Billing aus Frankfurt.

Ein Nein zur Paartherapie ist häufiger, als die meisten denken, und es ist selten ein Nein zu Ihnen. Meistens steckt etwas anderes dahinter: Angst, in einem Gespräch zu dritt schlecht auszusehen, die Sorge, es werde ein Tribunal, oder schlicht die Vorstellung, Therapie sei etwas für kranke Menschen. Was Sie jetzt tun können, ist nicht, ihn zu überzeugen. Sie können allein anfangen, und das ist kein Ersatzprogramm.

Kurz gefasst

Sie können eine andere Person nicht in eine Therapie bringen und sie auch sonst nicht verändern. Versuche in diese Richtung verstärken meistens genau das Muster, um das es geht.

Was geht: allein zu verstehen, was zwischen Ihnen beiden abläuft und welchen Anteil Sie daran haben. Das klingt nach Verzicht, ist aber der wirksamste verfügbare Hebel, weil Ihr Anteil der einzige ist, an dem Sie ohne Zustimmung arbeiten können.

Wenn nur eine Person kommt, heißt der Rahmen Einzelbegleitung und nicht Paartherapie. Der Unterschied ist nicht bürokratisch, er ist fachlich, und weiter unten steht warum.

Warum will mein Partner nicht zur Paartherapie?

Hinter dem Nein steckt oft eine bestimmte Vorstellung davon, was in einer Paartherapie passiert. Drei solche Vorstellungen kommen besonders häufig vor.

Die erste: Da sitzt jemand und entscheidet, wer recht hat. Wer damit rechnet, zwei gegen einen zu erleben, sagt vernünftigerweise nein.

Die zweite: Wenn wir eine Therapie brauchen, ist es schon vorbei. Paartherapie wird als Eingeständnis des Scheiterns verstanden, nicht als Arbeit an etwas, das noch da ist.

Die dritte: Über Gefühle reden macht alles nur schlimmer. Diese Erwartung hat oft eine Vorgeschichte, in der Gespräche tatsächlich regelmäßig eskaliert sind.

Keine dieser Vorstellungen lässt sich durch ein weiteres Gespräch am Küchentisch auflösen, und genau da liegt das Problem: Je mehr Sie nachsetzen, desto mehr bestätigt sich für Ihr Gegenüber, dass Gespräche anstrengend sind.

Was der Versuch, ihn zu überzeugen, anrichtet

Der Kreislauf aus Nachsetzen und Rückzug ist eines der am besten beschriebenen Muster in Paarbeziehungen. Eine Person geht auf das Thema zu, die andere weicht aus, woraufhin die erste dringlicher wird und die zweite sich weiter entzieht. Beide reagieren dabei nachvollziehbar auf das, was sie beim anderen sehen.

Die Frage nach der Paartherapie wird in diesem Muster oft selbst zum Streitthema. Aus „Ich wünsche mir Hilfe für uns“ wird für das Gegenüber „Du findest, mit mir stimmt etwas nicht“. Ab diesem Punkt geht es nicht mehr um Therapie, sondern um die alte Frage, wer hier das Problem ist.

Deshalb ist der nächste sinnvolle Schritt meistens, das Thema ruhen zu lassen, und zwar sichtbar. Nicht als Taktik, sondern weil Druck hier nachweislich nicht hilft.

Kann man seinen Partner therapieren?

Nein, und der Versuch schadet mehr, als er nützt. Wer die Rolle der Therapeutin gegenüber der eigenen Partnerin einnimmt, verlässt die Augenhöhe. Aus zwei Erwachsenen werden eine, die behandelt, und einer, der behandelt wird. Das ist für beide auf Dauer unerträglich, und es verschärft genau die Schieflage, unter der die Beziehung ohnehin schon leidet.

Was Sie tun können, ist etwas anderes: Ihren eigenen Anteil an einem Muster erkennen und verändern. Da ein Muster aus zwei Beiträgen besteht, verändert sich damit auch das Muster. Nicht immer, nicht schnell, aber messbar öfter als durch Überzeugungsversuche.

Was Einzelbegleitung ist und was sie nicht ist

In einer Einzelbegleitung arbeiten wir an denselben Fragen wie in einer Paartherapie, nur mit einer Person. Wir schauen uns an, wie Ihre Gespräche ablaufen, an welcher Stelle sie kippen, was in Ihnen passiert, kurz bevor es kippt, und woher diese Empfindlichkeit kommt.

Das ist keine Paartherapie mit einem fehlenden Stuhl. Für eine Paartherapie braucht es die Bereitschaft von beiden, und das hat einen belegten Grund: Je ungleicher das Vertrauensverhältnis zur Therapeutin zwischen den beiden Beteiligten verteilt ist, desto schlechter fällt das Ergebnis aus. Das zeigte eine Zusammenfassung von 48 Studien mit über 1.500 Paaren und 2.500 Familien (Friedlander und Kollegen, 2018). Eine Person, die mitkommt, um Ruhe zu haben, macht die Arbeit nicht besser, sondern schlechter.

Die Fachliteratur benennt auch die Grenzen der Einzelarbeit bei Paarthemen offen: Die Einschätzung stützt sich auf die Schilderung einer Seite, und es besteht die Gefahr, dass die Therapeutin unbemerkt Partei ergreift (Gurman und Burton, 2014). Ich halte das für einen guten Grund, es transparent zu machen, nicht für einen Grund, es zu lassen. In der Einzelbegleitung geht es deshalb nicht darum, wer recht hat, sondern darum, was Sie selbst tun und warum.

Wie das konkret abläuft, steht auf der Seite zur Einzelbegleitung, wenn Ihr:e Partner:in nicht mitkommen möchte.

Wenn Sie unsicher sind, ob eine Begleitung für Ihre Lage überhaupt das Richtige ist, hilft der Beitrag darüber, wann eine Paartherapie sinnvoll ist und wann nicht.

Was Sie in den nächsten Wochen tun können

Sie können aufhören, die Paartherapie zum Thema zu machen. Ein einziger klarer Satz genügt: dass Sie es sich wünschen, dass Sie es nicht mehr ansprechen werden, und dass die Tür offen bleibt.

Sie können für sich aufschreiben, wie die letzten drei Auseinandersetzungen abgelaufen sind. Nicht worum es ging, sondern in welcher Reihenfolge was passiert ist und an welcher Stelle Sie gemerkt haben, dass es kippt.

Sie können sich eine unbequeme Frage stellen: Was tue ich in diesen Momenten, das die Sache verschlimmert? Nicht um sich die Schuld zu geben, sondern weil das der Teil ist, den Sie ohne fremde Zustimmung ändern können.

Und Sie können allein anfangen. Manche Menschen erzählen ihrem Gegenüber davon, andere zunächst nicht. Beides ist in Ordnung.

Wenn aus Warten Aushalten wird

Ein Nein zur Paartherapie ist etwas anderes als eine Beziehung, in der Sie sich dauerhaft klein machen. Wenn Sie seit Monaten das Gefühl haben, die Beziehung allein zu tragen, oder wenn Sie nach Gesprächen regelmäßig an Ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln, ist das ein Punkt, den man sich genauer ansehen sollte.

Und eine klare Grenze: Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt, Drohungen, Einschüchterung oder körperliche Übergriffe, dann ist eine Paartherapie nicht der richtige Weg und ein gemeinsames Gespräch kann die Lage gefährlicher machen. Hier geht Schutz vor. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110.

Häufige Fragen

Kann man eine Paartherapie alleine machen?

Eine Paartherapie im engeren Sinn nicht, weil dafür beide da sein müssen. Paartherapeutische Arbeit mit einer Person gibt es sehr wohl, sie heißt hier Einzelbegleitung. Der Unterschied ist kein Etikett: Ohne die zweite Person lässt sich das Muster nur aus einer Perspektive betrachten, und darauf muss die Arbeit ausgelegt sein.

Was, wenn mein Partner später doch mitkommen will?

Dann sprechen wir darüber, wie ein Übergang aussehen kann. Ob ich dann selbst die Paartherapie übernehme, entscheidet sich nicht im Voraus, weil es davon abhängt, wie lange und woran wir vorher allein gearbeitet haben.

Soll ich sagen, dass ich allein zu einer Therapie gehe?

Das entscheiden Sie. Manche Menschen erleben es als Entlastung, es offen zu sagen, weil damit der Druck aus dem Thema geht. Andere behalten es zunächst für sich. Beides ist legitim, und beides hat Folgen, über die man vorher nachdenken kann.

Bringt es überhaupt etwas, wenn nur einer arbeitet?

Es verändert nachweislich den eigenen Umgang mit den Situationen, um die es geht. Ob sich dadurch auch die Beziehung verändert, lässt sich nicht versprechen. Wer das anders darstellt, verkauft Ihnen etwas.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

Erkennen Sie sich wieder?

Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.