Eine Paartherapie ist dann sinnvoll, wenn sich zwischen Ihnen etwas wiederholt, das Sie zu zweit nicht mehr aufgelöst bekommen. Nicht der einzelne Streit ist der Grund, sondern das Muster, das immer wieder gleich abläuft. Sie müssen dafür nicht am Ende sein. Die meisten Paare, die zu mir kommen, funktionieren im Alltag gut und merken trotzdem, dass etwas zwischen ihnen nicht mehr stimmt.
Kurz gefasst
Paartherapie hilft vielen Paaren, und sie hilft nicht allen. Große Zusammenfassungen der Forschung zeigen deutliche Verbesserungen der Zufriedenheit in der Beziehung, während Paare auf Wartelisten sich im selben Zeitraum kaum verändern. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen aus der alltäglichen Beratungspraxis, dass die Verbesserungen dort etwa halb so groß ausfallen wie in Studien unter idealen Bedingungen, und dass ein erheblicher Teil der Paare sich nicht verbessert.
Sinnvoll ist eine Paartherapie, wenn beide bereit sind, sich das Muster anzusehen. Nicht sinnvoll ist sie als erster Schritt, wenn Gewalt im Spiel ist, wenn eine unbehandelte Suchterkrankung oder eine unbehandelte psychische Erkrankung den Alltag bestimmt, oder wenn eine Person innerlich bereits entschieden hat und das nicht ausspricht.
Woran Sie merken, dass es von allein nicht mehr weggeht
Der zuverlässigste Hinweis ist die Wiederholung. Ein Streit über den Abwasch ist kein Anlass für eine Paartherapie. Der zwanzigste Streit über den Abwasch, der nach demselben Ablauf eskaliert und mit demselben Schweigen endet, ist einer.
Sätze, mit denen Paare bei mir anfangen, klingen oft so: „Egal was ich sage, es kommt falsch an.“ „Wir können nicht reden, ohne dass es im Streit endet.“ „Wir funktionieren, aber ein Paar sind wir nicht mehr.“ Das sind typische Gedanken, keine Aussagen einzelner Klient:innen.
Was diese Sätze gemeinsam haben: Sie beschreiben keinen Konflikt über eine Sache, sondern einen Kreislauf. Einer zieht sich zurück, die andere geht nach, woraufhin sich der eine weiter zurückzieht. Beide reagieren dabei vernünftig auf das, was sie beim Gegenüber wahrnehmen, und genau dadurch verstärkt sich der Kreislauf. Von innen sieht es so aus, als läge es am anderen Menschen. Von außen sieht man, dass es an dem liegt, was zwischen beiden passiert.
Deshalb ist die Frage „Ist unsere Lage schlimm genug?“ die falsche Frage. Die nützlichere lautet: Kommen wir aus dieser Schleife zu zweit noch heraus, oder brauchen wir jemanden, der sie von außen sichtbar macht?
Bringt Paartherapie überhaupt etwas?
Ja, im Durchschnitt deutlich, und das ist gut untersucht. Eine Zusammenfassung von 58 Studien mit 2.092 Paaren fand große Verbesserungen der Zufriedenheit in der Beziehung, während Paare auf Wartelisten sich im gleichen Zeitraum nicht bedeutsam veränderten (Roddy und Kollegen, 2020). Verbessert haben sich dort auch die Kommunikation, die emotionale Nähe und das Verhalten gegenüber der Partnerin oder dem Partner.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und sie sind der Grund, warum ich hier keine Erfolgsquote nenne.
Erstens ist unklar, wie lange die Wirkung anhält. Eine Zusammenfassung von 33 kontrollierten Studien mit 2.730 Teilnehmenden fand mittlere Verbesserungen direkt nach der Therapie und kleinere nach sechs Monaten. Nach zwölf Monaten war für die untersuchte verhaltenstherapeutische Form kaum noch ein Unterschied messbar. Die Autor:innen weisen selbst darauf hin, dass Studien mit positiven Ergebnissen häufiger veröffentlicht werden als andere (Rathgeber und Kollegen, 2019).
Zweitens sieht die Praxis anders aus als die Studie. Eine deutschlandweite Untersuchung mit 554 Paaren in normalen Beratungsstellen kam zu Verbesserungen, die nur etwa halb so groß waren wie in Studien unter idealen Bedingungen. Bei bis zu der Hälfte der Paare verbesserte sich nichts (Roesler, 2020).
Beides widerspricht sich nicht. In einer Studie sind die Paare ausgewählt, die Therapeut:innen besonders geschult und die Zahl der Sitzungen festgelegt. Im Alltag kommt, wer kommt, mit allem, was er mitbringt. Was Sie daraus mitnehmen können: Paartherapie ist keine Behandlung mit verlässlichem Ergebnis, sondern eine Arbeit, deren Ausgang davon abhängt, was Sie beide hineingeben.
Ist es zu spät, wenn es schon so lange so geht?
Für diese Sorge gibt es weniger Grund, als viele annehmen. In der Zusammenfassung von Roddy und Kollegen zeigte sich, dass Paare mit stärkerer Belastung zu Beginn im Mittel größere Veränderungen erreichten als Paare, denen es zu Beginn besser ging. Wer den Eindruck hat, es sei schon zu weit gegangen, gehört also nicht automatisch zu denen, bei denen nichts mehr geht.
Das heißt nicht, dass Zeit keine Rolle spielt. Je länger ein Muster läuft, desto selbstverständlicher wird es, und desto mehr Erinnerungen an misslungene Gespräche liegen darüber. Das macht die Arbeit nicht aussichtslos, aber es macht sie langsamer.
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt lässt sich ohnehin nicht allgemein beantworten, weil sie von außen niemand für Sie beantworten kann. Was sich klären lässt, ist etwas anderes: ob Sie beide im Moment noch dieselbe Frage stellen. Solange Sie beide wissen wollen, ob es anders gehen kann, ist eine Paartherapie ein sinnvoller Ort dafür.
Was, wenn nur eine Person will?
Dann ist eine Paartherapie in der Regel nicht der richtige erste Schritt, und das hat einen nachvollziehbaren Grund. Für eine Paartherapie braucht es die Bereitschaft von Ihnen beiden. Kommt nur eine Person aus eigenem Antrieb, arbeiten wir an etwas, das die andere nicht will, und das trägt nicht.
In der Forschung gibt es dazu ein klares Ergebnis. Eine Zusammenfassung von 48 Studien mit über 1.500 Paaren und 2.500 Familien fand: Je ungleicher das Vertrauensverhältnis zur Therapeutin zwischen beiden Personen verteilt ist, desto schlechter fällt das Ergebnis aus (Friedlander und Kollegen, 2018). Ein Setting, in dem eine Person mitgeschleppt wird, ist genau dieser Fall.
Paare, bei denen eine Person eher gehen und die andere eher bleiben möchte, sind in der Praxis häufig. In der Fachliteratur werden sie als Paare mit unterschiedlicher Absicht beschrieben, und dafür braucht es zuerst ein anderes Format als die reguläre Paartherapie: eines, das die Frage klärt, ob überhaupt gemeinsam gearbeitet werden soll (Doherty und Kollegen, 2016).
In meiner Praxis heißt das konkret: Sie können auch zuerst allein kommen. Wenn nur eine Person an Bord ist, ist der Rahmen dann eine Einzelbegleitung und keine Paartherapie. Das ist kein Trostpreis. Wer den eigenen Anteil an einem Muster versteht, verändert damit oft auch die Dynamik zu zweit. Mehr dazu steht auf der Seite zur Einzelbegleitung, wenn Ihr:e Partner:in nicht mitkommen möchte.
Wann eine Paartherapie nicht der richtige erste Schritt ist
Es gibt vier Lagen, in denen zuerst etwas anderes gebraucht wird. Das offen zu sagen gehört für mich zur Arbeit.
Wenn Gewalt im Spiel ist. Körperliche Gewalt, Bedrohung und Einschüchterung sind kein Beziehungskonflikt, den man zu dritt bespricht. Hier geht Schutz vor. Ein gemeinsames Gespräch kann die Lage für die betroffene Person gefährlicher machen, weil zu Hause weitergeht, was im Gespräch gesagt wurde. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110.
Wenn eine Suchterkrankung unbehandelt ist. Solange Alkohol, Medikamente oder andere Substanzen den Alltag bestimmen, arbeitet eine Paartherapie gegen etwas an, das sich mit Gesprächen nicht auflösen lässt. Die Telefonberatung zu Sucht und Drogen vermittelt an Beratungsstellen vor Ort, unter 0221 892031.
Wenn eine psychische Erkrankung unbehandelt im Raum steht. Eine Depression oder eine Angststörung gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Eine Paartherapie ersetzt das nicht. Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Wenn eine Person innerlich bereits entschieden hat. Wer sich getrennt hat und noch nicht ausgesprochen hat, sucht keine Paartherapie, sondern einen Weg, es zu sagen. Dafür ist eine Trennungsberatung der passendere Ort, allein oder zu zweit.
Wenn Sie gerade nicht mehr weiterwissen und die Gedanken sich im Kreis drehen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 erreichbar.
Was Sie jetzt tun können
Es gibt ein paar Dinge, die sich ohne Termin herausfinden lassen.
Sie können prüfen, ob es wirklich ein Muster ist. Denken Sie an die letzten drei Auseinandersetzungen. Lief der Ablauf jedes Mal ähnlich, unabhängig vom Thema? Wenn ja, dann ist das Thema nicht das Thema.
Sie können sich fragen, was Sie selbst in diesen Momenten tun. Nicht, um Schuld zu verteilen, sondern weil das der einzige Teil ist, den Sie ohne die andere Person verändern können.
Und Sie können miteinander besprechen, ob Sie beide wissen wollen, woran es liegt. Diese eine Frage entscheidet mehr über den Nutzen einer Paartherapie als die Schwere der Krise.
Manche Paare merken dabei, dass sie zu zweit weiterkommen. Das ist ein gutes Ergebnis, und dafür braucht es mich nicht.
Wann eine Paartherapie helfen kann
Wenn Sie beide wissen möchten, was zwischen Ihnen passiert, und allein nicht mehr dahinterkommen, dann ist das der Punkt, an dem eine dritte Person nützt. In der Paartherapie in Frankfurt schauen wir uns an, wie Ihr Muster abläuft, woher die Empfindlichkeiten kommen, an denen es jedes Mal hängen bleibt, und was sich daran verändern lässt.
Ich stelle dabei keine Diagnose, und ich entscheide nicht, ob Sie zusammenbleiben. Ich arbeite daran, dass Sie beide verstehen, was passiert, und dass Sie eine wohlwollendere Haltung zu sich selbst und zueinander finden. Was Sie mit diesem Verständnis machen, bleibt bei Ihnen.
Häufige Fragen
Ab wann ist eine Paartherapie sinnvoll?
Sobald sich etwas wiederholt, das Sie zu zweit nicht auflösen können. Es braucht keine Eskalation und keine Krise als Eintrittskarte. Viele Paare kommen an einem Punkt, an dem von außen nichts Dramatisches zu sehen ist und innen trotzdem seit Monaten dasselbe passiert.
Ist eine Paartherapie die letzte Chance für eine Beziehung?
Nein, und diese Vorstellung schadet eher. Wer eine Paartherapie als letzten Versuch betritt, setzt beide unter einen Druck, der gute Gespräche unwahrscheinlicher macht. Eine Paartherapie ist ein Ort, an dem Sie verstehen, was zwischen Ihnen abläuft. Was Sie mit diesem Verständnis anfangen, ist offen und bleibt Ihre Entscheidung.
Wann macht eine Paartherapie keinen Sinn?
Wenn Gewalt im Spiel ist, wenn eine Suchterkrankung oder eine psychische Erkrankung unbehandelt den Alltag bestimmt, oder wenn eine Person innerlich bereits entschieden hat und nur noch einen Weg sucht, es zu sagen. In diesen vier Lagen ist zuerst etwas anderes nötig. Die zuständigen Stellen stehen weiter oben.
Muss mein:e Partner:in mitkommen?
Für eine Paartherapie braucht es die Bereitschaft von Ihnen beiden. Sie können aber zuerst allein kommen und klären, worum es Ihnen geht. Der Rahmen ist dann eine Einzelbegleitung. Ob daraus später eine gemeinsame Arbeit wird, entscheidet sich nicht im Voraus.

Erkennen Sie sich wieder?
Ein erstes Telefonat dauert 15 Minuten und kostet nichts. Sie schildern kurz, worum es geht, und wir klären, ob eine Zusammenarbeit passt.

