Ein Paar kleine rote Babyschuhe mit weißen Schnürsenkeln

Beziehung

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Beziehung nach der Geburt: was sich zwischen Ihnen verändert

Nach der Geburt eines Kindes sinkt bei vielen Paaren die Zufriedenheit mit der Beziehung. Hier steht, was dahintersteckt, woran sich eine Depression vom Babyblues unterscheidet und wo Eltern in Frankfurt Unterstützung finden.

Die Beziehung nach der Geburt eines Kindes verändert sich bei vielen Paaren spürbar. Es gibt weniger Schlaf und weniger Zeit zu zweit, dafür mehr Aufgaben und oft mehr Streit. Metaanalysen finden, dass die Zufriedenheit mit der Partnerschaft im ersten Jahr im Mittel sinkt, aber nicht bei allen Paaren gleich stark. In Frankfurt beraten unter anderem die Babylotsinnen an den Geburtskliniken und pro familia.

Kurz gefasst

  • Nach der Geburt ändern sich Schlaf, Zeit, Aufgaben und Rollen gleichzeitig. Das belastet viele Paare.

  • Im Mittel sinkt die Zufriedenheit mit der Beziehung im ersten Jahr nach der Geburt, bei Müttern wie bei Vätern.

  • Auch Paare ohne Kind werden mit der Zeit etwas unzufriedener, in der neueren Metaanalyse aber weniger stark.

  • Ein häufiger Streitpunkt ist die Aufteilung von Haushalt und Kinderbetreuung, besonders wenn sie anders ausfällt als erwartet.

  • Ein Babyblues vergeht meist nach wenigen Tagen. Hält die Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen an, ist das ein Grund, mit der Hebamme oder einer Ärztin zu sprechen.

  • Auch Väter können nach der Geburt eine Depression bekommen.

  • Wenn in der Beziehung Gewalt vorkommt, ist Paartherapie nicht der richtige Weg. Dann geht Schutz vor.

Warum ist die Beziehung nach der Geburt so schwierig?

Die Beziehung nach der Geburt ist für viele Paare schwierig, weil sich vieles auf einmal ändert. Das Gesundheitsportal gesundheitsinformation.de nennt Schlafmangel, die körperliche Umstellung nach der Schwangerschaft und manchmal zusätzliche Belastungen, etwa wenn das Geld knapp ist. Dazu kommt die Frage, wer jetzt was übernimmt. Zeit, in der Sie beide einfach ein Paar sind, wird selten.

Viele Eltern beschreiben diese Zeit mit Sätzen wie „Seit das Kind da ist, sind wir nur noch Eltern.“ oder „Ich fühle mich alleine.“ Das sind typische Gedanken, keine Zitate. Die Gespräche drehen sich dann um Windeln, Termine und die nächste Nacht, und für anderes bleibt wenig Kraft.

Was die Forschung über das erste Jahr weiß

Dass die Zufriedenheit nach der Geburt sinkt, ist gut untersucht. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 hat 49 Studien zusammengefasst. Zwischen Schwangerschaft und erstem Geburtstag des Kindes sank die Zufriedenheit in der Partnerschaft im Mittel mittelstark, im zweiten Jahr weiter, aber nur noch leicht. Das galt für Mütter und Väter. Untersucht wurden Paare beim ersten Kind.

Wie viel davon am Kind liegt, ist weniger klar. Paare ohne Kind wurden im vergleichbaren Zeitraum ebenfalls unzufriedener, in der Metaanalyse von 2022 aber nur leicht. Eine ältere Metaanalyse aus dem Jahr 2009 hat dazu vier Studien mit frisch verheirateten Paaren ausgewertet. Bei denen, die kinderlos blieben, sank die Zufriedenheit ähnlich stark wie bei denen, die Eltern wurden. Ein Teil der Abnahme hat also möglicherweise mit der Zeit zu tun, die eine Beziehung schon besteht. In den 37 Studien dieser Arbeit zu Eltern reichten die Ergebnisse von deutlichen Rückgängen bis zu leichten Anstiegen.

Aus der Metaanalyse von 2022 kommen zwei weitere Befunde. Die Zufriedenheit der beiden hing zusammen: Sank sie bei einer Person stark, sank sie auch bei der anderen stärker. Und sie stieg nach dem ersten Jahr im Mittel nicht wieder an.

Ein schwieriges erstes Jahr ist also verbreitet. Für sich genommen ist es kein Zeichen dafür, dass Sie nicht zueinander passen. Ernst zu nehmen ist es trotzdem, denn im Mittel legt es sich nicht von allein.

Worum es beim Streit in der Beziehung mit Baby oft geht

Viele Auseinandersetzungen in den ersten Monaten drehen sich um die Frage, wer was übernimmt: nachts aufstehen, einkaufen, an den Termin bei der Kinderärztin denken. Eine Studie aus den USA hat dazu schon 1988 Erwartungen und Alltag verglichen (Ruble und Kollegen). Die Forschenden befragten 670 Frauen einmal rund um die Geburt ihres ersten Kindes. Außerdem begleiteten sie 48 Frauen mit mehreren Befragungen von der späten Schwangerschaft bis nach der Geburt. Die Frauen berichteten, deutlich mehr Haushalt und Kinderbetreuung zu übernehmen, als sie erwartet hatten.

Wo die Aufteilung anders ausfiel als erwartet, hing das mit negativeren Gefühlen gegenüber einzelnen Seiten der Ehe zusammen. Die grundsätzliche Zuneigung war davon nicht unbedingt betroffen. Die Studie ist alt und hat nur Mütter in Ehen befragt. Für Ihren Alltag lässt sich daraus trotzdem eine Frage ableiten: Was haben Sie beide vor der Geburt erwartet, und was ist daraus geworden?

Bleibt das Planen und Daran-Denken an einer Person hängen, sprechen viele von Mental Load. Was das mit Belastung von außen zu tun hat und wie ein Paar darüber ins Gespräch kommt, steht im Beitrag über Stress in der Beziehung.

Ist das noch Babyblues oder schon eine Depression?

Ein Babyblues dauert meist nur wenige Tage und geht von selbst vorüber. Hält die Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen an, kann das laut gesundheitsinformation.de ein Zeichen für eine Wochenbettdepression sein. Bis zu 15 von 100 Frauen bekommen in den ersten drei Monaten nach der Geburt eine Depression. Sie lässt sich behandeln. Ob es eine ist, kann nur eine Fachperson einschätzen.

Erste Ansprechpartner können die Hebamme, die Frauenarztpraxis oder die Hausarztpraxis sein. Ein Erstgespräch in einer psychotherapeutischen Sprechstunde ist ohne Überweisung möglich. Termine dafür vermittelt der Patientenservice unter 116117.

Manchmal merkt es zuerst jemand anderes. Manche Mütter fühlen sich so schlecht, dass sie selbst keine Hilfe suchen können. Dann hilft es, wenn Partner:in, Hebamme oder Freundinnen erkennen, was los ist, und Unterstützung organisieren.

Auch Väter können betroffen sein. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2016 über 74 Studien mit 41.480 Teilnehmenden fand bei 8,4 Prozent der Väter eine Depression zwischen Schwangerschaft und erstem Lebensjahr des Kindes. Die Werte schwankten zwischen den Studien stark.

Der Verein Schatten & Licht ist eine Selbsthilfeorganisation zu psychischen Erkrankungen rund um die Geburt. Auf seiner Seite stehen Listen mit Selbsthilfegruppen, Berater:innen und Fachleuten.

Wenn Gedanken auftauchen, sich etwas anzutun, oder wenn Ihnen alles zu viel wird, gibt es sofort Hilfe. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr wählen Sie die 112.

Eine Depression nach der Geburt gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Eine Paartherapie ersetzt diese Behandlung nicht.

Was hilft der Beziehung nach der Geburt?

Ein Programm, das die Beziehung nach der Geburt sicher schützt, gibt es nicht. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2010 hat 21 kontrollierte Angebote für werdende und junge Eltern ausgewertet. Im Mittel verbesserten sie die Kommunikation der Paare etwas, die Qualität der Partnerschaft insgesamt kaum. Stärkere Effekte zeigten Angebote mit mehr als fünf Sitzungen, die vor und nach der Geburt stattfanden und von Fachleuten geleitet wurden.

Im Alltag zu zweit bleiben Möglichkeiten, die Sie ausprobieren können. Was dabei herauskommt, kann niemand versprechen. Diese Vorschläge setzen voraus, dass Sie sich in Ihrer Beziehung sicher fühlen.

  • Manche Paare schreiben einmal auf, wer welche Aufgabe übernimmt, auch die unsichtbaren wie Termine im Kopf behalten. Über eine solche Liste lässt sich danach konkreter reden.

  • Nachts um drei, beide übermüdet, wird aus einer Frage leicht ein Vorwurf. Eine Abmachung kann sein, solche Themen auf den nächsten Tag zu verschieben.

  • Kurze Zeit zu zweit fest einzuplanen, in der es nicht um Organisation geht, hilft manchen Paaren. Das muss kein ganzer Abend sein.

  • Hilfe von außen kann entlasten: Familie, Freund:innen, die Hebamme und in Frankfurt auch die Stellen weiter unten.

Wenn jedes Gespräch über Aufgaben im selben Streit endet, steckt manchmal ein Muster dahinter. Wie solche Muster entstehen, steht im Beitrag über Kommunikationsprobleme in der Beziehung.

Wo Eltern in Frankfurt Unterstützung finden

In Frankfurt gibt es Anlaufstellen für die Zeit rund um die Geburt und für Paare, die über ihre Beziehung sprechen möchten. Die Angaben stammen von den Seiten der Träger (Stand Oktober 2026).

Die Babylotsinnen des Kinderschutzbunds Frankfurt sind Sozialpädagoginnen auf den Entbindungsstationen aller Frankfurter Geburtskliniken. Sie beraten Mütter und Familien rund um die Geburt und vermitteln bei Bedarf an die Frühen Hilfen. Der Kontakt ist freiwillig und steht allen Eltern offen.

Frühe Hilfen sind Angebote für Schwangere und Eltern, die besonders belastet sind, zum Beispiel die Begleitung durch eine Familienhebamme oder Eltern-Treffs.

Die Beratungsstelle von pro familia in Frankfurt bietet Beziehungs- und Sexualberatung an, in Westend und Bornheim. Als Thema nennt sie ausdrücklich Herausforderungen nach der Geburt eines Kindes. Termine gibt es unter 069 90744744, die Stelle im Westend liegt in der Palmengartenstraße 14. Was die Beratung dort kostet, erfahren Sie im Gespräch. Zu Elterngeld und Elternzeit berät pro familia Frankfurt ebenfalls.

Wenn in der Beziehung Gewalt vorkommt

Wenn in Ihrer Beziehung Gewalt vorkommt, körperlich oder seelisch, dann ist Paartherapie nicht der richtige Weg. Zuerst geht es um Sicherheit, für Sie und für Ihr Kind. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berät rund um die Uhr unter 116 016, kostenfrei und in 18 Sprachen. Für Männer gibt es das Hilfetelefon Gewalt an Männern, erreichbar montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr unter 0800 123 9900. Bei akuter Gefahr: 110.

Gesundheitsinformation.de nennt häusliche Gewalt auch unter den Umständen, unter denen Frauen nach der Geburt häufiger an einer Depression erkranken.

Wann Paartherapie helfen kann

Eine Paartherapie kann ansetzen, wenn Sie merken, dass sich dieselben Gespräche seit Monaten im Kreis drehen und Sie es zu zweit nicht mehr anhalten können. Veränderungen nach der Geburt eines Kindes gehören zu den Anliegen, an denen ich in der Paartherapie nach der Geburt mit Paaren arbeite. Mein Grundsatz dabei: „Wenn die Beziehung feststeckt, liegt es selten an den Menschen, sondern an dem, was zwischen ihnen passiert.“

In der ersten Sitzung frage ich unter anderem nach Kindern, Belastungen und der beruflichen Situation. Ziel ist, Ihnen die Dynamik zwischen Ihnen zu zeigen. Ich stelle keine Diagnose. Ich entscheide nicht, ob Sie zusammenbleiben. Ich gebe keiner Seite recht.

Mit einem kleinen Kind ist der Weg in die Praxis manchmal schwer zu organisieren. Die Sitzungen sind auch online per Videogespräch möglich.

Die Uhrzeit vereinbaren wir individuell. Termine am Wochenende sind möglich. Eine Sitzung kostet 140 € für 60 Minuten oder 210 € für 90 Minuten. Wie ich arbeite, lesen Sie auf der Seite zur Paartherapie in Frankfurt.

Häufige Fragen

Ist es normal, nach der Geburt mehr zu streiten?

Mehr Streit nach der Geburt ist verbreitet. Metaanalysen zeigen, dass die Zufriedenheit mit der Partnerschaft im ersten Jahr nach der Geburt im Mittel sinkt, bei Müttern wie bei Vätern. Häufige Themen sind Schlaf, Zeit und die Aufteilung der Aufgaben. Von selbst vorbei geht es aber nicht immer: Im Mittel sank die Zufriedenheit auch im zweiten Jahr noch leicht. Wenn sich dieselben Streits über Monate wiederholen, kann ein Gespräch von außen helfen.

Wie lange dauert eine Beziehungskrise nach der Geburt?

Eine verlässliche Dauer lässt sich nicht nennen, dafür sind Paare zu verschieden. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 fand, dass die Zufriedenheit im ersten Jahr nach der Geburt im Mittel mittelstark und im zweiten Jahr noch leicht sank. Das ist ein Durchschnitt über viele Paare und sagt für Ihre Beziehung wenig voraus. Wenn Sie merken, dass sich nichts bewegt, müssen Sie nicht abwarten. Ein Gespräch in einer Beratungsstelle oder einer Paartherapie ist jederzeit möglich.

Bekommen auch Väter eine Depression nach der Geburt?

Ja, auch Väter können nach der Geburt depressiv werden. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2016 über 74 Studien fand bei 8,4 Prozent der Väter eine Depression zwischen Schwangerschaft und erstem Lebensjahr des Kindes. Wer über Wochen niedergeschlagen ist, kann sich an die Hausarztpraxis wenden. Über den Patientenservice 116117 gibt es außerdem Termine in einer psychotherapeutischen Sprechstunde, dafür ist keine Überweisung nötig.

Wo finden Eltern in Frankfurt Unterstützung nach der Geburt?

In Frankfurt sind die Babylotsinnen des Kinderschutzbunds auf den Entbindungsstationen aller Geburtskliniken erreichbar. Sie beraten rund um die Geburt und vermitteln an die Frühen Hilfen. Für Fragen zur Beziehung nach der Geburt bietet pro familia Frankfurt Beziehungsberatung an. Bei seelischen Beschwerden sind Hebamme, Frauenarztpraxis oder Hausarztpraxis die ersten Ansprechpartner. In meiner Praxis im Bahnhofsviertel biete ich Paartherapie an, auch online.

Porträt von Nadin Billing

Nadin Billing

Psychologin (M.Sc.) und Paartherapeutin in Frankfurt am Main

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